Alles, was die Schulkinder der englischen Boarding School geben mussten, war ihr Leben.
Darum geht es ja immer, das Leben endet mit dem Tod.
Die Kinder sind Klons, sie wissen es, und sie wissen es nicht anders. Sie haben es verinnerlicht. Aber die Frage ist, haben sie eine Seele? Über diese Frage wurden sie junge Erwachsene, und über die Antwort entscheidet sich ihr Schicksal.
Mehr will ich über diesen wunderbaren Film nicht erzählen. Manch Einer wird ihn in den Bereich der Science Fiction einordnen, und das vielleicht nicht mal zu Unrecht. Oder doch?
Sollten wir inzwischen nicht glauben, dass alles möglich ist? Haben die Forscher und Wissenschaftler denn bei Dolly, dem Schaf, aufgehört? Möglichkeiten gibt es so viele. Wird nicht immer noch mit Kryo Konservierung experimentiert? Und was, wenn das in nicht zu ferner Zukunft ein ganz normaler Teil des täglichen Lebens sein wird, das Klonen, das Einfrieren, das Transplantieren von Köpfen und Hirnen... und Seelen?
Die Schauspieler, Carey Mulilgan, Andrew Garfield, Keira Knightley sind ausgezeichnet ausgewählt, und in einer Nebenrolle sieht man Charlotte Rampling, die wunderschön altert. Der Soundtrack malt Stimmungen ohne ein einziges Mal kitschig zu sein.
Die Geschichte ging mir an die Nieren, und am Schluss hatte ich einen dicken Kloß im Hals. Und trotzdem würde ich mir den Film noch mal ansehen. Oder gerade deshalb.
Ab heute in vielen Kinos. Hingehen, anschauen.
Donnerstag, 14. April 2011
Samstag, 19. März 2011
In a better world (In einer besseren Welt)
Der Film wurde dieses Jahr mit einem Oscar für den besten fremdsprachlichen Film bedacht. Eine Kategorie, die in den USA keine Sau interessiert, und deshalb vermute ich jetzt mal vorwitzig, dass die Jury einfach Susanne Bier, die Regisseurin - quasi posthum zu Lebzeiten - genommen haben, weil sie auch schon vorher sehr gute, wenn nicht sogar bessere Filme gemacht hatte.
Zu meinem Bedauern macht sie leider keine Dogme-Filme mehr. Wahrscheinlich gab es einfach zu viele Einschränkungen, die sie nicht alle befolgen wollte. Oder konnte. Ihr Film „Nach der Hochzeit“ (in dem ich mich spontan in Mads Mikkelsen verliebte), war sehr viel besser. Ein Dogme-Film. In dem wird sogar ihr Name im Vor- und Abspann erwähnt, aber das war, soweit ich mich erinnere, das einzige, was nicht den Dogme-Richtlinien entsprach. Nein, ich will jetzt hier nicht wortreich dieser Kunstrichtung nachweinen. Es war ein schönes Experiment, das Lars van Trier und Thomas Vinterberg da ins Leben gerufen hatten. 2005, zehn Jahre nach der Einführung, überließen die Initiatoren es dann den Produzenten, ob und in welchem Maße sie sich weiterhin an die Richtlinien halten wollen.
„In a better world“ (Original „Haevnen“) behandelt Biers favorisierte Themen: Schuld, Rache, Sühne, Vergebung in familiären Beziehungen. Der alleinerziehende Vater Claus zieht nach dem Krebstod seiner Frau mit seinem Sohn Christian zurück nach Dänemark. Der freundet sich schnell mit Elias an, der in der Schule gemobbt wird. Elias’ Mutter, Marianne, ist Ärztin im Krankenhaus, sein Vater, Anton, ist abwechselnd bei der Familie in Dänemark und als Arzt in Darfurs Flüchtlingslagern.
Während Christian daheim einen von Elias’ schlimmsten Peinigern zusammenschlägt, steht Anton im Behelfskrankenhaus eines Lagers in Darfur vor der Entscheidung, einen mordenden Rebellenanführer entweder zu retten oder verrecken zu lassen. Gleiches mit Gleichem vergelten oder die andere Wange hinhalten. Auge um Auge, Zahn um Zahn oder Hüter des hippokratischen Eids sein, Hüter der Moral?
Christian, voller Trauer über den Verlust seiner Mutter, und voller Wut auf seinen Vater, dem er die Schuld an ihrem Tod gibt, arbeitet seinen Frust auf seine Weise ab. Er wird zum Rächer für die, die sich nicht wehren, die ihre andere Wange hinhalten. Seinem Vater gelingt es nicht, ihm den Tod seiner Mutter so zu erklären, dass er ihn akzeptieren kann. Seine Rage bohrt sich tiefer und tiefer, frisst ihn auf. Zusammen mit Elias, den er zum Mitmachen manipuliert, heckt er einen Plan aus: die ultimative Rache, Bestrafung, das Auge um das Auge. Es geht nicht gut aus.
Der Film handelt von dysfunktionalen Familien, von fehlender emotionaler Umarmung, von unabsichtlicher Vernachlässigung. Aber auch von Vergebung und Versöhnung. Schöne Bilder vom idyllischen Dänemark und harte vom vergewaltigten Darfur. Ein bisschen Symbolik hier und da, nicht genug um mich zu stören, dafür aber die Behintergrundung mit lieblicher Glockenspielmusik. Da hab ich mir die strikte Dogme-Regel herbeigewünscht, die forderte, dass nur solche Musik im Film zu hören sein sollte, die tatsächlich in der Handlung vorkomme. Also Musik, die wirklich „mitwirkt“, von einer live Kapelle in der Bar, dem Autoradio, dem Kirchenchor. Kein Hintergrundgedudel. Meinetwegen hätten die Damen und Herren Filmemacher das ruhig weitermachen dürfen.
Aber mich fragt ja keiner.
Zu meinem Bedauern macht sie leider keine Dogme-Filme mehr. Wahrscheinlich gab es einfach zu viele Einschränkungen, die sie nicht alle befolgen wollte. Oder konnte. Ihr Film „Nach der Hochzeit“ (in dem ich mich spontan in Mads Mikkelsen verliebte), war sehr viel besser. Ein Dogme-Film. In dem wird sogar ihr Name im Vor- und Abspann erwähnt, aber das war, soweit ich mich erinnere, das einzige, was nicht den Dogme-Richtlinien entsprach. Nein, ich will jetzt hier nicht wortreich dieser Kunstrichtung nachweinen. Es war ein schönes Experiment, das Lars van Trier und Thomas Vinterberg da ins Leben gerufen hatten. 2005, zehn Jahre nach der Einführung, überließen die Initiatoren es dann den Produzenten, ob und in welchem Maße sie sich weiterhin an die Richtlinien halten wollen.
„In a better world“ (Original „Haevnen“) behandelt Biers favorisierte Themen: Schuld, Rache, Sühne, Vergebung in familiären Beziehungen. Der alleinerziehende Vater Claus zieht nach dem Krebstod seiner Frau mit seinem Sohn Christian zurück nach Dänemark. Der freundet sich schnell mit Elias an, der in der Schule gemobbt wird. Elias’ Mutter, Marianne, ist Ärztin im Krankenhaus, sein Vater, Anton, ist abwechselnd bei der Familie in Dänemark und als Arzt in Darfurs Flüchtlingslagern.
Während Christian daheim einen von Elias’ schlimmsten Peinigern zusammenschlägt, steht Anton im Behelfskrankenhaus eines Lagers in Darfur vor der Entscheidung, einen mordenden Rebellenanführer entweder zu retten oder verrecken zu lassen. Gleiches mit Gleichem vergelten oder die andere Wange hinhalten. Auge um Auge, Zahn um Zahn oder Hüter des hippokratischen Eids sein, Hüter der Moral?
Christian, voller Trauer über den Verlust seiner Mutter, und voller Wut auf seinen Vater, dem er die Schuld an ihrem Tod gibt, arbeitet seinen Frust auf seine Weise ab. Er wird zum Rächer für die, die sich nicht wehren, die ihre andere Wange hinhalten. Seinem Vater gelingt es nicht, ihm den Tod seiner Mutter so zu erklären, dass er ihn akzeptieren kann. Seine Rage bohrt sich tiefer und tiefer, frisst ihn auf. Zusammen mit Elias, den er zum Mitmachen manipuliert, heckt er einen Plan aus: die ultimative Rache, Bestrafung, das Auge um das Auge. Es geht nicht gut aus.
Der Film handelt von dysfunktionalen Familien, von fehlender emotionaler Umarmung, von unabsichtlicher Vernachlässigung. Aber auch von Vergebung und Versöhnung. Schöne Bilder vom idyllischen Dänemark und harte vom vergewaltigten Darfur. Ein bisschen Symbolik hier und da, nicht genug um mich zu stören, dafür aber die Behintergrundung mit lieblicher Glockenspielmusik. Da hab ich mir die strikte Dogme-Regel herbeigewünscht, die forderte, dass nur solche Musik im Film zu hören sein sollte, die tatsächlich in der Handlung vorkomme. Also Musik, die wirklich „mitwirkt“, von einer live Kapelle in der Bar, dem Autoradio, dem Kirchenchor. Kein Hintergrundgedudel. Meinetwegen hätten die Damen und Herren Filmemacher das ruhig weitermachen dürfen.
Aber mich fragt ja keiner.
Samstag, 12. März 2011
Biutiful
Beautiful ist die Geschichte dieses Films nicht. Nicht „wundervoll“, sondern traurig, bedrückend, beklemmend. Und doch von ungeheuer wuchtiger Zärtlichkeit, Angst und Mut. Todesmut. Todesangst.
Uxbal (Javier Bardem) ist ein Kleinkrimineller. Mit einigen illegalen Geschäften, die von ebenso illegalen Einwanderern unter den Augen von geschmierten Polizisten auf offener Straße stattfinden, hält er sich über Wasser. Uxbal versorgt seine beiden Kinder Ana (Hanaa Buchaib) und Mateo Guillermo Estrella) allein. Seine geschiedene Ehefrau Marambra (Maricel Álvarez) leidet an einer bipolaren Persönlichkeitsstörung, nimmt ihre Medikamente nicht, und führt ein wildes Leben. Sie hat das Sorgerecht verloren. Uxbal ist ein liebevoller Vater, der versucht, den beiden Kindern ein anständiges Leben zu bereiten. Aus heiterem Himmel sagt ihm sein Arzt, dass er Krebs im Endstadium hat. Er pinkelt blutigen Urin, er hat Schmerzen, er ist verzweifelt. Er ist kriminell, und er ist nicht wirklich ein guter Mensch, aber eben auch kein wirklich schlechter. Er hat Mitgefühl, aber er will auch seinen Anteil aus den kriminellen Geschäften. Von irgendwas müssen er und seine Familie ja schließlich leben. Er hilft der Gruppe illegaler Chinesen, die von zwei chinesischen Ausbeutern wie Tiere in feuchtkalten Kellern gehalten werden. Seine Hilfe entpuppt sich als Boomerang.
Bardems Gesicht ist die fleischgewordene Sorge, Leid, Schmerz. Es gibt plötzliche Szenenwechsel, die reinhauen wie eine explodierende Bombe. Handkamera mit verrissenen Einstellungen. Laute Musik. Polizeisirenen. Statt Verfolgungsjagden mit Autos, rasen Polizei, Bösewichte und Uxbal zu Fuß durch Barcelona.
„Bring deine Angelegenheiten in Ordnung“ rät ihm eine Heilerin. Das ist ein guter Rat, denn wenn man weiß, dass man bald sterben muss, kann man die unerledigten Angelegenheiten nicht mehr guten Gewissens vor sich her schieben. Also, man könnte, aber Uxbal ist nicht gewissenlos, bloß weil er ein Krimineller ist. Er liebt seine Kinder über alles und will sie versorgt wissen, wen er nicht mehr da ist. Er versucht sogar, seine unzuverlässige, kranke Frau wieder als treusorgende Mutter zu aktivieren. Das funktioniert nicht. Sie ist unreaktivierbar.
Auch die Szenerie vermittelt Sorge, Leid und Schmerz. Hier wird nicht das Barcelona der Touristen oder Mittelstandsbevölkerung gezeigt. Uxbals Leben spielt sich in den schmuddeligen Seitenstraßen von Vororten ab. Auch die Silhouette der Sagrada Familia Basilika ist in grauen Dunst gehüllt, umgeben von hässlichen Baukränen. Die untergehende Sonne über dem Mittelmeer gleicht einem glühenden Atompilz. Alles vermittelt Trostlosigkeit, erinnert an Uxbals baldigenTod.
Vielleicht ist Uxbal ein kleines bisschen zu gut, die Umstände ein kleines bisschen zu desaströs, aber bitte, so ist das Leben. Bardem ist ein wundervoller Schauspieler, und seine hierzulande weitestgehend unbekannten Mitspieler sind ausgezeichnet besetzt.
Der Titel, falls sich jemand wundert, ergibt sich aus einem Rechtschreibfehler in den Hausaufgaben von Ana, unter Mithilfe des Vaters.
Schon allein wegen Bardem lohnt es sich, den Film zu sehen. Aber nicht nur deshalb. Ob nun überzogen oder nicht, die Geschichte von Uxbal geht ans Herz, und zwar mit geballter Wucht.
Uxbal (Javier Bardem) ist ein Kleinkrimineller. Mit einigen illegalen Geschäften, die von ebenso illegalen Einwanderern unter den Augen von geschmierten Polizisten auf offener Straße stattfinden, hält er sich über Wasser. Uxbal versorgt seine beiden Kinder Ana (Hanaa Buchaib) und Mateo Guillermo Estrella) allein. Seine geschiedene Ehefrau Marambra (Maricel Álvarez) leidet an einer bipolaren Persönlichkeitsstörung, nimmt ihre Medikamente nicht, und führt ein wildes Leben. Sie hat das Sorgerecht verloren. Uxbal ist ein liebevoller Vater, der versucht, den beiden Kindern ein anständiges Leben zu bereiten. Aus heiterem Himmel sagt ihm sein Arzt, dass er Krebs im Endstadium hat. Er pinkelt blutigen Urin, er hat Schmerzen, er ist verzweifelt. Er ist kriminell, und er ist nicht wirklich ein guter Mensch, aber eben auch kein wirklich schlechter. Er hat Mitgefühl, aber er will auch seinen Anteil aus den kriminellen Geschäften. Von irgendwas müssen er und seine Familie ja schließlich leben. Er hilft der Gruppe illegaler Chinesen, die von zwei chinesischen Ausbeutern wie Tiere in feuchtkalten Kellern gehalten werden. Seine Hilfe entpuppt sich als Boomerang.
Bardems Gesicht ist die fleischgewordene Sorge, Leid, Schmerz. Es gibt plötzliche Szenenwechsel, die reinhauen wie eine explodierende Bombe. Handkamera mit verrissenen Einstellungen. Laute Musik. Polizeisirenen. Statt Verfolgungsjagden mit Autos, rasen Polizei, Bösewichte und Uxbal zu Fuß durch Barcelona.
„Bring deine Angelegenheiten in Ordnung“ rät ihm eine Heilerin. Das ist ein guter Rat, denn wenn man weiß, dass man bald sterben muss, kann man die unerledigten Angelegenheiten nicht mehr guten Gewissens vor sich her schieben. Also, man könnte, aber Uxbal ist nicht gewissenlos, bloß weil er ein Krimineller ist. Er liebt seine Kinder über alles und will sie versorgt wissen, wen er nicht mehr da ist. Er versucht sogar, seine unzuverlässige, kranke Frau wieder als treusorgende Mutter zu aktivieren. Das funktioniert nicht. Sie ist unreaktivierbar.
Auch die Szenerie vermittelt Sorge, Leid und Schmerz. Hier wird nicht das Barcelona der Touristen oder Mittelstandsbevölkerung gezeigt. Uxbals Leben spielt sich in den schmuddeligen Seitenstraßen von Vororten ab. Auch die Silhouette der Sagrada Familia Basilika ist in grauen Dunst gehüllt, umgeben von hässlichen Baukränen. Die untergehende Sonne über dem Mittelmeer gleicht einem glühenden Atompilz. Alles vermittelt Trostlosigkeit, erinnert an Uxbals baldigenTod.
Vielleicht ist Uxbal ein kleines bisschen zu gut, die Umstände ein kleines bisschen zu desaströs, aber bitte, so ist das Leben. Bardem ist ein wundervoller Schauspieler, und seine hierzulande weitestgehend unbekannten Mitspieler sind ausgezeichnet besetzt.
Der Titel, falls sich jemand wundert, ergibt sich aus einem Rechtschreibfehler in den Hausaufgaben von Ana, unter Mithilfe des Vaters.
Schon allein wegen Bardem lohnt es sich, den Film zu sehen. Aber nicht nur deshalb. Ob nun überzogen oder nicht, die Geschichte von Uxbal geht ans Herz, und zwar mit geballter Wucht.
Montag, 28. Februar 2011
OSCARS KEHRAUS
Gut, das Wichtigste, die Party, ist nun auch vorbei, und wie mein Freund Tom („in da bizzness“) versprach „just normal folks“. In seinen Kreisen ist eine Promi-After-Show-Party kein Spaß. Da ploppen die Gewinnerinnen und Gewinner kurz rein, lassen sich feiern, und ab durch die Mitte. Richtige Party Stimmung soll es da selten geben.
Jetzt mal schnelles playback zum Event. In den kurzen Pausen lots of milling about. Saalordner übernehmen die Aufsicht, quasi betreutes Umherwandern.
Die Bühnenshow - wobei ich das Wort Show nur zögerlich benutze – war total straight. Kaum glitz and glam, keine Tanzmäuse, null Gedöns. Für Opulenz will der Oscar-Veranstalter wohl nicht mehr blechen.
Ob ich das nächste Jahr da noch mal hin will, ist auch noch nicht sicher. Es ist, wie bei allen Großveranstaltungen: Präsentatoren, die Präsentatoren ankündigen, die lustige Laudatien für die Nominierten vom Teleprompter ablesen. Oft sogar fehlerfrei. Und ich seh das aus Entfernungen, die für das menschliche (meins) Auge nicht gemacht sind. Und ich glaub, diese Dame saß vor mir. Erkenne die Frisur.

Zwei Stars, einer davon nominiert, (James Franco und Anne Hathaway) die Moderation machen zu lassen war jetzt nicht so der burner. Da wär mir ein Billy Crystal oder Ricky Gervais schon lieber gewesen. Aber mich fragt ja keiner.

Fotos waren schwierig zu machen. Meistens musste ich auf eine günstige Einstellung auf der big screen warten und aufpassen, dass ich kein Flimmern und Flattern kriegte. Darum hält sich das Angebot hier auch in Grenzen.
Den alten Kirk Douglas haben sie quasi auf die Bühne getragen. Na gut, er stand selbst, mit Stock, war sehr schlecht zu verstehen, aber die Herzen flogen ihm zu. Standing ovations, natch. Gefahr, dass er mit Joopi verwechselt wird, besteht jedenfalls nicht.

Was die Gewinner angeht, hab ich ja gestern so schnell es ging getwittert, und heut stehts in allen Gazetten.
Wie Bolle hab ich mich gefreut, dass die großartige Susanne Bier einen Oscar bekommen hat.

Der Film „In a better world“ kommt in Deutschland erst im März in die Kinos. Vorfreude!
Beste männliche Nebenrolle an Christian Bale war ja zu erwarten. Mein Tränchen für Geoffrey Rush zerdrückte ich in aller Stille.

Herr Bale hat mittlerweile Ganzgesichtsbehaarung gezüchtet, und irgendwie gaukelt meine Fantasie mir Lady Chatterley’s Wildhüter vor. Kopfkino NOW.
Frau Kidman sieht blendend aus. Frisch poliert. Blendend eben. In ihre eigene Schönheit versunken überragt sie ihren Gattenzwerg, Keith Urban. Gute Wahl, sie musste sich gar nicht umgewöhnen. Oscar hat sie nicht bekommen, aber dafür ein Baby. Anstelle eines Bildes von Frau Kidman mal ein Leckerchen:

Randy Newman, für den ich seit Jahrzehnten schwärme, und dessen „It’s a Jungle out there“ immer jeden „Monk“ einleitet, spielte sein „We belong together“ aus „Toy Story“ und gewinnt. Ich kann mir nicht helfen, aber er wird Hans Meiser (in seinen besseren Jahren) immer ähnlicher. No hard feelings, Randy.

Auf Billy Crystal hab ich mich gefreut.
Oh, Billy, had a bad hair day? Hat aber seine Lustizität nicht beeinflusst.
Der kann in zwei Minuten sechsmal mehr Pointen setzen, als vier andere in acht Stunden. So, jetzt rechnet das mal aus. Cheerio, Billy.

Danach sang dann die fleischgewordene Strafe des Universums: Celine Dion mit der Schockfrost-Stimme.
Eli Wallach, inzwischen auch 96, ein Jahr älter als Kirk Douglas, wackelt mit Kevin Brownlow und Francis Ford Coppola auf die Bühne. Livetime Achievement. Wurde bei einem separaten Event verliehen.

Und dann noch dies: Die Abschlussrede aus „The King’s Speech“, die Kriegserklärung, untermalte die Vorstellung aller Ausschnitte der für „Best Motion Picture“ nominierten Filme. Gutes Omen.
Until next year, Oscars, same time, same station.
Jetzt mal schnelles playback zum Event. In den kurzen Pausen lots of milling about. Saalordner übernehmen die Aufsicht, quasi betreutes Umherwandern.
Die Bühnenshow - wobei ich das Wort Show nur zögerlich benutze – war total straight. Kaum glitz and glam, keine Tanzmäuse, null Gedöns. Für Opulenz will der Oscar-Veranstalter wohl nicht mehr blechen.
Ob ich das nächste Jahr da noch mal hin will, ist auch noch nicht sicher. Es ist, wie bei allen Großveranstaltungen: Präsentatoren, die Präsentatoren ankündigen, die lustige Laudatien für die Nominierten vom Teleprompter ablesen. Oft sogar fehlerfrei. Und ich seh das aus Entfernungen, die für das menschliche (meins) Auge nicht gemacht sind. Und ich glaub, diese Dame saß vor mir. Erkenne die Frisur.

Zwei Stars, einer davon nominiert, (James Franco und Anne Hathaway) die Moderation machen zu lassen war jetzt nicht so der burner. Da wär mir ein Billy Crystal oder Ricky Gervais schon lieber gewesen. Aber mich fragt ja keiner.

Fotos waren schwierig zu machen. Meistens musste ich auf eine günstige Einstellung auf der big screen warten und aufpassen, dass ich kein Flimmern und Flattern kriegte. Darum hält sich das Angebot hier auch in Grenzen.
Den alten Kirk Douglas haben sie quasi auf die Bühne getragen. Na gut, er stand selbst, mit Stock, war sehr schlecht zu verstehen, aber die Herzen flogen ihm zu. Standing ovations, natch. Gefahr, dass er mit Joopi verwechselt wird, besteht jedenfalls nicht.

Was die Gewinner angeht, hab ich ja gestern so schnell es ging getwittert, und heut stehts in allen Gazetten.
Wie Bolle hab ich mich gefreut, dass die großartige Susanne Bier einen Oscar bekommen hat.

Der Film „In a better world“ kommt in Deutschland erst im März in die Kinos. Vorfreude!
Beste männliche Nebenrolle an Christian Bale war ja zu erwarten. Mein Tränchen für Geoffrey Rush zerdrückte ich in aller Stille.

Herr Bale hat mittlerweile Ganzgesichtsbehaarung gezüchtet, und irgendwie gaukelt meine Fantasie mir Lady Chatterley’s Wildhüter vor. Kopfkino NOW.
Frau Kidman sieht blendend aus. Frisch poliert. Blendend eben. In ihre eigene Schönheit versunken überragt sie ihren Gattenzwerg, Keith Urban. Gute Wahl, sie musste sich gar nicht umgewöhnen. Oscar hat sie nicht bekommen, aber dafür ein Baby. Anstelle eines Bildes von Frau Kidman mal ein Leckerchen:

Randy Newman, für den ich seit Jahrzehnten schwärme, und dessen „It’s a Jungle out there“ immer jeden „Monk“ einleitet, spielte sein „We belong together“ aus „Toy Story“ und gewinnt. Ich kann mir nicht helfen, aber er wird Hans Meiser (in seinen besseren Jahren) immer ähnlicher. No hard feelings, Randy.

Auf Billy Crystal hab ich mich gefreut.
Oh, Billy, had a bad hair day? Hat aber seine Lustizität nicht beeinflusst.
Der kann in zwei Minuten sechsmal mehr Pointen setzen, als vier andere in acht Stunden. So, jetzt rechnet das mal aus. Cheerio, Billy.

Danach sang dann die fleischgewordene Strafe des Universums: Celine Dion mit der Schockfrost-Stimme.
Eli Wallach, inzwischen auch 96, ein Jahr älter als Kirk Douglas, wackelt mit Kevin Brownlow und Francis Ford Coppola auf die Bühne. Livetime Achievement. Wurde bei einem separaten Event verliehen.

Und dann noch dies: Die Abschlussrede aus „The King’s Speech“, die Kriegserklärung, untermalte die Vorstellung aller Ausschnitte der für „Best Motion Picture“ nominierten Filme. Gutes Omen.
Until next year, Oscars, same time, same station.
Sonntag, 27. Februar 2011
Auf die Plätze...
Heut Nachmittag 5PM geht’s los. Also die Übertragung der Oscar-Verleihung. Vorher gibt’s ja noch das „red carpet“ spectacle, das ich nicht erleben werden darf, weil, so spricht Tom, mein Gastgeber („in da bizzness“), weil wir früher und vor allem unauffällig durch die kalte Küche reinbugsiert werden. Also Dienstboteneingang. All diese rasend spannenden Interviews: „Who are you wearing?“ – „Gucci, Pucci, Bertolucci...“ werde ich nicht mitkriegen. Aber da ich die modischen Linien dieser Herrschaften ohnehin nie erkenne, isses eh wurscht. Aber vielleicht kommt mal einer von denen nakkich, und ich bin nicht dabei?!?
Tom (wenngleich im business, kein hoher Würdenträger) und ich (BH-Träger) werden – wie üblich – in der hintersten Ecke sitzen, zusammen mit all den anderen Nobodies and Nincompoops, zwar im business, die aber im von Herrn Brecht besungenen Schatten stehn.
„Dabei ist alles“, seit einiger Zeit die Parole aller, die wissen, dass sie nix zu melden haben, eigne ich mir für diesen Event an.
Dabei. Dabei. Dabei.
Das Ladekabel fürs iPhone darf ich nicht mitnehmen, sende also jetzt schon stille aber innige Stoßgebete an den Gott der iPhone-Accus: lass es heute bitte sechs Stunden Saft spenden. Dieses eine Mal. Ich will auch nie wieder hässliche Sachen über die Rechtschreibhilfe des iPhone sagen.
Jetzt mal zu meinen früheren Einlassungen zum Thema Gewinner: ich nehm da ziemlich viel zurück. Wenn’s nach mir ginge, würd „King’s Speech“ alle Oscars kriegen, für die er nominiert ist. Vielleicht bis auf Bonham-Carter (Nebenrolle), da säh ich lieber Melissa Leo (die durchgeknallte Mutter in „Fighter“).
Ansonsten: Abräumen, baby, abräumen!
„King’s Speech“ hat mich glücklich gemacht, und das kann ich nicht von vielen Filmen sagen.
Was die anderen Nominierten angeht, da bin ich weit offen. Annette Bening („The kids are all right“) wär mir lieb, aber auch Michelle Williams („Blue Valentine“), und in einer männlichen Nebenrolle Christan Bale („The Fighter“) wenn’s mit Geoffrey Rush doch nicht klappen sollte.
Der Hollywood buzz schwelgt allerdings in höchsten Tönen von „Inception“, „The Social Network“, „Black Swan“ und ein bisschen „True Grit“.
Na gut, sollte Colin Firth tatsächlich leer ausgehen, als Trostpreis nähm ich schon gern Jeff Bridges. For old times’ sake.
Immerhin noch vier Stunden, aber trotzdem muss ich gleich mal mit dem Aufrüsten anfangen. Kleines Schwarzes, diesmal mit Pailletten, kein Akt, aber Haar und Make-up... da hätt ich auch zu gern mal so ne Make-up Person! Tom bürstet sich das Haar, rasiert sich, tränkt den Körper mit Duftwassern und zieht nen feschen Anzug an. Hach! Männer!
Bis denne, also. Auf Twitter so aktuell wie möglich. Im Blog frühesten morgen Abend. Eure Zeit.
Bis denne. Toodeloo.
Tom (wenngleich im business, kein hoher Würdenträger) und ich (BH-Träger) werden – wie üblich – in der hintersten Ecke sitzen, zusammen mit all den anderen Nobodies and Nincompoops, zwar im business, die aber im von Herrn Brecht besungenen Schatten stehn.
„Dabei ist alles“, seit einiger Zeit die Parole aller, die wissen, dass sie nix zu melden haben, eigne ich mir für diesen Event an.
Dabei. Dabei. Dabei.
Das Ladekabel fürs iPhone darf ich nicht mitnehmen, sende also jetzt schon stille aber innige Stoßgebete an den Gott der iPhone-Accus: lass es heute bitte sechs Stunden Saft spenden. Dieses eine Mal. Ich will auch nie wieder hässliche Sachen über die Rechtschreibhilfe des iPhone sagen.
Jetzt mal zu meinen früheren Einlassungen zum Thema Gewinner: ich nehm da ziemlich viel zurück. Wenn’s nach mir ginge, würd „King’s Speech“ alle Oscars kriegen, für die er nominiert ist. Vielleicht bis auf Bonham-Carter (Nebenrolle), da säh ich lieber Melissa Leo (die durchgeknallte Mutter in „Fighter“).
Ansonsten: Abräumen, baby, abräumen!
„King’s Speech“ hat mich glücklich gemacht, und das kann ich nicht von vielen Filmen sagen.
Was die anderen Nominierten angeht, da bin ich weit offen. Annette Bening („The kids are all right“) wär mir lieb, aber auch Michelle Williams („Blue Valentine“), und in einer männlichen Nebenrolle Christan Bale („The Fighter“) wenn’s mit Geoffrey Rush doch nicht klappen sollte.
Der Hollywood buzz schwelgt allerdings in höchsten Tönen von „Inception“, „The Social Network“, „Black Swan“ und ein bisschen „True Grit“.
Na gut, sollte Colin Firth tatsächlich leer ausgehen, als Trostpreis nähm ich schon gern Jeff Bridges. For old times’ sake.
Immerhin noch vier Stunden, aber trotzdem muss ich gleich mal mit dem Aufrüsten anfangen. Kleines Schwarzes, diesmal mit Pailletten, kein Akt, aber Haar und Make-up... da hätt ich auch zu gern mal so ne Make-up Person! Tom bürstet sich das Haar, rasiert sich, tränkt den Körper mit Duftwassern und zieht nen feschen Anzug an. Hach! Männer!
Bis denne, also. Auf Twitter so aktuell wie möglich. Im Blog frühesten morgen Abend. Eure Zeit.
Bis denne. Toodeloo.
Donnerstag, 17. Februar 2011
The King's Speech - reloaded
Heute läuft der Film in den deutschen Kinos an.
Es gibt keinen Sex, keine Romanze, kein Rock 'n Roll. Drugs schonmal gar nicht.
Und trotzdem - vielleicht gerade deshalb - ein schöner, sehenswerter Film.
Kann man einen Film, der von 1925 bis 1937 spielt, schon einen Kostümfilm nenne? Ganz bestimmt, wenn als Kulisse die königlichen Wohnsitze der britischen Royals im Spiel sind. Und eigentlich bin ich nicht so scharf auf Kostümfilme. Oder Historienschinken. Aber der hier ist ganz anders.
Es geht um den späteren König George VI, ehemals Albert „Bertie“ (Colin Firth), der zweitgeborene Sohn von George V, der 1936 starb.
Eigentlich sollte Edward die Regentschaft übernehmen, aber da stand Wallis Simpson, eine geschiedene Amerikanerin, im Weg.
Bertie also, war glücklich verheiratet mit Elizabeth (Helena Bonham Carter) und hatte zwei Töchter, Margaret und Elizabeth (die amtierende Königin von England). Und Bertie war ein Stotterer. Es war die Zeit, als das Radio anfing, eine große Rolle im Leben der Menschen zu spielen. Das Königshaus nutzte die neue Technik für Ansprachen ans Volk. Für einen Stotterer ein Desaster. Herkömmliche Maßnahmen, wie Demosthenes bei Sprechübungen Murmeln in den Mund zu packen, erweisen sich als nutzlos. Berties Frau findet einen gescheiterten australischen Schauspieler, Lionel Logue (Geoffrey Rush), der in England Sprachtherapie praktiziert. Bertie wird Patient/Schüler von Mr. Logue, dem Logopäden. Logue ist unzeremoniell und direkt, ihm ist es wurscht, wer sein Kunde ist. Er arbeitet nicht außer Haus und besteht darauf, dass Bertie zu ihm Haus kommt. Als er ihm dann noch vorschlägt, sich bei ihren Vornamen zu nennen, verschlägt es Bertie die ohnehin wackelige Sprache. Auch wenn es lange so aussieht, als sei Bertie ein hoffnungsloser Fall, lässt Lionel Logue nicht locker. Der unkonventionelle Lionel und der zurückhaltende Bertie, gefangen in seinem royalen Korsett, lernen sich zu akzeptieren und erfolgreich miteinander zu arbeiten.
Ein Höhepunkt in der Historie und ein persönlicher Erfolg für Bertie (und Logue auch) ist seine Rundfunkansprache an seine Untertanen, als er Hitler den Krieg erklärt.
Diese Rede, so dramatisch der Inhalt, langsam, leicht stockend vorgetragen, haben mir tatsächlich Tränen in die Augen getrieben. Meine absoluter Favorit für den Oscar für eine männliche Hauptrolle: Colin Firth. Für die männliche Nebenrolle: Geoffrey Rush.
Please, dear „Academy of Motion Picture Arts and Sciences“, pretty please!
Es gibt keinen Sex, keine Romanze, kein Rock 'n Roll. Drugs schonmal gar nicht.
Und trotzdem - vielleicht gerade deshalb - ein schöner, sehenswerter Film.
Kann man einen Film, der von 1925 bis 1937 spielt, schon einen Kostümfilm nenne? Ganz bestimmt, wenn als Kulisse die königlichen Wohnsitze der britischen Royals im Spiel sind. Und eigentlich bin ich nicht so scharf auf Kostümfilme. Oder Historienschinken. Aber der hier ist ganz anders.
Es geht um den späteren König George VI, ehemals Albert „Bertie“ (Colin Firth), der zweitgeborene Sohn von George V, der 1936 starb.
Eigentlich sollte Edward die Regentschaft übernehmen, aber da stand Wallis Simpson, eine geschiedene Amerikanerin, im Weg.
Bertie also, war glücklich verheiratet mit Elizabeth (Helena Bonham Carter) und hatte zwei Töchter, Margaret und Elizabeth (die amtierende Königin von England). Und Bertie war ein Stotterer. Es war die Zeit, als das Radio anfing, eine große Rolle im Leben der Menschen zu spielen. Das Königshaus nutzte die neue Technik für Ansprachen ans Volk. Für einen Stotterer ein Desaster. Herkömmliche Maßnahmen, wie Demosthenes bei Sprechübungen Murmeln in den Mund zu packen, erweisen sich als nutzlos. Berties Frau findet einen gescheiterten australischen Schauspieler, Lionel Logue (Geoffrey Rush), der in England Sprachtherapie praktiziert. Bertie wird Patient/Schüler von Mr. Logue, dem Logopäden. Logue ist unzeremoniell und direkt, ihm ist es wurscht, wer sein Kunde ist. Er arbeitet nicht außer Haus und besteht darauf, dass Bertie zu ihm Haus kommt. Als er ihm dann noch vorschlägt, sich bei ihren Vornamen zu nennen, verschlägt es Bertie die ohnehin wackelige Sprache. Auch wenn es lange so aussieht, als sei Bertie ein hoffnungsloser Fall, lässt Lionel Logue nicht locker. Der unkonventionelle Lionel und der zurückhaltende Bertie, gefangen in seinem royalen Korsett, lernen sich zu akzeptieren und erfolgreich miteinander zu arbeiten.
Ein Höhepunkt in der Historie und ein persönlicher Erfolg für Bertie (und Logue auch) ist seine Rundfunkansprache an seine Untertanen, als er Hitler den Krieg erklärt.
Diese Rede, so dramatisch der Inhalt, langsam, leicht stockend vorgetragen, haben mir tatsächlich Tränen in die Augen getrieben. Meine absoluter Favorit für den Oscar für eine männliche Hauptrolle: Colin Firth. Für die männliche Nebenrolle: Geoffrey Rush.
Please, dear „Academy of Motion Picture Arts and Sciences“, pretty please!
Sonntag, 30. Januar 2011
Six films for the price of one
Black Swan
„Ruckedigu, Blut ist im Schuh“ heißt es bei Schneewittchen. Aber der Schwan hier im Film ist nicht die böse Stiefmutter aus Schneewittchen, obwohl ihre Füße bluten. Ihre Zehen, ihre Fingernägel, ihr Rücken. Blut überall.
Es gibt ja richtig gute Filme, die durch einen oder mehrere Schauspieler richtig versaut werden können. Oder es gibt die anderen Filme, die durch einzelne Schauspieler geadelt werden.
„Black Swan“ ist so einer. Die Story ist gar nicht so schlecht, ein Melodram erster Güte mit allen Zutaten: Verrat, Ehrgeiz, Besessenheit, Irrizität, Sex, Liebe, Eifersucht und Tod.
Ballett-Sternchen Nina (Natalie Portman) trachtet nach Höherem, unterstützt und angetrieben von der ehrgeizigen Mutter Erica (Barbara Hershey), die selber mal von einer Karriere als Tänzerin träumte, aber wegen der Schwangerschaft ihren Traum aufgab und auf die Tochter übertrug. Nina soll den Schwanensee-Schwan tanzen, aber nicht nur den guten, weißen, sondern auch den bösen, schwarzen. Der Ballettmeister ist ihr Svengali, Lily (Mila Kunis) ihre Konkurrentin, ihre Tür zum richtigen Leben. Dieses Leben mit Sex, Drugs and Rock ’n Roll. Eine Achterbahn der Emotionen nennt man das gern. Es ist eine außer Kontrolle geratene supersonic high speed Achterbahn mit Extras, von der man unversehens ins Nichts geschleudert wird. Nirvana? Hölle? Erfüllung?
Auf jeden Fall Gänsehaut. Natalie Portman soll fast ein Jahr lang für diese Rolle als Primaballerina trainiert haben. Es hat sich gelohnt. Sie ist mein Tipp für den Oscar 2011 als beste Hauptdarstellerin.
127 Hours.
Aron Ralston (James Franco) gibt es wirklich. Aron ist Extremsportler, Bergsteiger. Ein eigenwilliger, fröhlicher und freundlicher Bube. Und ein Einzelgänger. Er reagiert ungern bis nie auf die Nachrichten auf seinem Anrufbeantworter, und wenn er zu einer seiner Touren aufbricht, erzählt er niemandem, wohin und wie lang. So passierte es, dass er bei einer Klettertour in einen Felsspalt abrutscht. Gar nicht mal so tief, aber blöderweise rollt ein Felsbrocken hinterher und klemmt eine Hand zwischen Felswand und Brocken.
„Between a rock and a hard place“, wie die Redewendung geht. Das ist auch der Titel von Aron Ralstons Buch, auf dem der Film basiert.
Aron versucht mit allen Mitteln, sich aus dieser Lage zu befreien. Er hackt mit seinem Taschenmesser am Fels rum und versucht, ihn zu zerkleinern. Er baut mit Karabinern und Seil einen Flaschenzug. Nichts klappt. Nach fünf Tagen Dürre und Regengüssen, ziemlich entkräftet, beschließt er, seinen Arm zu amputieren. Auch das misslingt mit dem Taschenmesser, es ist nicht scharf genug, um den Knochen zu durchtrennen. Also sinnt er auf eine andere Methode.
Zartbesaiteten rate ich, ab der 62. Minute ca fünf Minuten lang Augen und Ohren zu schließen. Oder nur mal durch die vorgehaltenen Finger zu blinzeln.
Nicht nur bis dahin, sondern auch danach ist es ein saumäßig spannender Film, der stellenweise Schnappatmung bei mir verursachte.
James Franco, der mir bisher gänzlich unbekannt war, ist für einen Hauptdarsteller-Oscar nominiert, „127 Hours“ für Besten Film und für Bestes Drehbuch. Na gut, seh ich jetzt nicht so, die Konkurrenz ist sehr stark. Und ich hab ohnehin andere Favoriten. Aber Wunder geschehn. Abwarten.
The Fighter.
Hier habe ich einen dieser wüsten „Rocky“ Schlägerfilme erwartet. Harte Brocken mit dicken Muskeln und Hälsen prügeln auf einander ein, bis das Blut aus allen Kopföffnungen spritzt. Am besten auf das johlende Publikum. Aber nix dergleichen. Oder nur moderat.
„The Fighter“ ist nun tatsächlich ein Boxerfilm, der tragische Held ist ein Weltergewichtler, Micky Ward (Mark Wahlberg), der bislang von seinem älteren Halbbruder Dicky Eklund(Christian Bale) trainiert, und von seiner überdrehten Mutter (Melissa Leo) gemanaged wurde - mehr schlecht als recht. Und vor allem ziemlich erfolglos. Dicky ist ein dauerlabernder Crackhead, der selbst Boxer und mal gegen Sugar Ray Leonard erfolgreich war. Sagt er. Für Micky war Dicky von Jugend an der große Held. Dicky und die Mutter, Alice (nebst sieben Töchtern, alle Anfang 20, die gern Siebenlinge sein könnten) gängeln Micky. Micky ist unentschlossen, in sich gekehrt, und sein Familienleben ist keins. Als er Charlene (Amy Adams) kennenlernt, die in einer Bar arbeitet, ändert sich einiges. Mittlerweile muss Dicky mal wieder in den Knast, wo er erst mal auf dicke Hose macht, bis den Knackis eine kritische Doku über seine erfolglose Karriere gezeigt wird.
Nach all den erfolglosen Kämpfen mit ungeeigneten Gegnern bekommt Micky die Chance, in Las Vegas ernsthaft zu trainieren. Charlene redet ihm zu. Alice, die Mutter ist dagegen. Sie ist felsenfest überzeugt, dass ihre beiden Söhne allein durch ihr Management so „erfolgreich“ waren. Nachdem Dicky aus dem Gefängnis kommt, geht Micky jedoch zurück zu ihm, lässt sich vom Mutter/Sohn-Duo weitertrainieren. Ein Ende bahnt sich an, das zwar durchaus „happy“ aber aus meiner Sicht einfach lulli war.
Es fehlt der Knall, die Figur des Micky bleibt blass, uninspiriert. Da ist Christian Bale schon lebendiger, glaubhafter. Auch Amy Adams hat mich überzeugt. Aber allen voran die unvergleichliche Melissa Leo, der ich ganz doll die Daumen für den Oscar in einer weiblichen Nebenrolle drücke.
The King’s Speech.
Kann man einen Film, der von 1925 bis 1937 spielt, schon einen Kostümfilm nenne? Ganz bestimmt, wenn als Kulisse die königlichen Wohnsitze der britischen Royals im Spiel sind. Und eigentlich bin ich nicht so scharf auf Kostümfilme. Oder Historienschinken. Aber der hier ist ganz anders.
Es geht um den späteren König George VI, ehemals Albert „Bertie“ (Colin Firth), der zweitgeborene Sohn von George V, der 1936 starb.
Eigentlich sollte Edward die Regentschaft übernehmen, aber da stand Wallis Simpson, eine geschiedene Amerikanerin, im Weg.
Bertie also, war glücklich verheiratet mit Elizabeth (Helena Bonham Carter) und hatte zwei Töchter, Margaret und Elizabeth (die amtierende Königin von England). Und Bertie war ein Stotterer. Es war die Zeit, als das Radio anfing, eine große Rolle im Leben der Menschen zu spielen. Das Königshaus nutzte die neue Technik für Ansprachen ans Volk. Für einen Stotterer ein Desaster. Herkömmliche Maßnahmen, wie Demosthenes bei Sprechübungen Murmeln in den Mund zu packen, erweisen sich als nutzlos. Berties Frau findet einen gescheiterten australischen Schauspieler, Lionel Logue (Geoffrey Rush), der in England Sprachtherapie praktiziert. Bertie wird Patient/Schüler von Mr. Logue, dem Logopäden. Logue ist unzeremoniell und direkt, ihm ist es wurscht, wer sein Kunde ist. Er arbeitet nicht außer Haus und besteht darauf, dass Bertie in sein Haus kommt. Als er ihm dann noch vorschlägt, sich bei ihren Vornamen zu nennen, verschlägt es Bertie die ohnehin wackelige Sprache. Auch wenn es lange so aussieht, als sei Bertie ein hoffnungsloser Fall, lässt Lionel Logue nicht locker. Der unkonventionelle Lionel und der zurückhaltende Bertie, gefangen in seinem royalen Korsett, lernen sich zu akzeptieren und erfolgreich miteinander zu arbeiten.
Ein Höhepunkt in der Historie und ein persönlicher Erfolg für Bertie (und Logue auch) ist seine Rundfunkansprache an seine Untertanen, als er Hitler den Krieg erklärt.
Diese Rede, so dramatisch der Inhalt, langsam, leicht stockend vorgetragen, haben mir tatsächlich Tränen in die Augen getrieben. Meine absoluter Favorit für den Oscar für eine männliche Hauptrolle: Colin Firth. Für die männliche Nebenrolle: Geoffrey Rush.
Please, dear „Academy of Motion Picture Arts and Sciences“, pretty please!
True Grit
Ein eingeschworener John-Wayne-Fan war ich nie. Aber es gab immer einige Filme, die ich trotzdem mochte. In denen ich John Wayne mochte. Dazu gehörte auf jeden Fall „True Grit“, damals, anno pief, mit Kim Darby, die ich nicht so großartig fand. Rooster Cogburn war John Wayne, und John Wayne war Rooster Cogburn, der Revolverheld.
Die Coen Brothers haben den Stoff neu verfilmt mit Jeff Bridges, der jetzt grad im richtigen Alter für den Rooster Cogburn ist, und mit Hailee Steinfeld, der 14jährigen Newcomerin, als Mattie, die ich auf Anhieb besser fand als Kim Darby.
Auch wenn Jeff Bridges im richtigen Alter ist, hat er nicht das Wayne-sche Volumen. Wahrscheinlich ist das ungerecht, die beiden miteinander zu vergleichen, aber „True Grit“ ist ein Klassiker, da kommt das automatisch.
Nun mag ich ja Bridges, und er kommt hier nicht so egozentrisch heldisch und eitel wie Wayne daher, was mir gefällt. Er gibt den einäugigen alten Marshal, der sich widerwillig darauf einlässt, mit Mattie den Mörder ihres Vaters zu jagen. Sie ist in der Tradition des Wilden Westens aufgewachsen: an eye for an eye, a tooth for a tooth. Kein bisschen Wildwest-Romantik. Prärie, unwegsames Indianergebiet, einige Ballerei, kein Platz für Hygiene, alle riechen so wie man riecht, wenn man wochenlang in den gleichen Klamotten zu Pferde unterwegs ist. Ich konnte ihnen den strengen Geruch quasi ansehen. Und erschnuppern, aber das war vielleicht mein Sitznachbar.
Wie das meistens so ist in den Western, siegt die Gerechtigkeit, und dass Mattie, die nie geheiratet hatte, sich dann nach 25 Jahren auf die Suche nach Rooster macht, ist so etwas wie ein happy end.
Hier gibt’s eine Oscar Nominierung für Besten Film (muss nicht unbedingt), und eine für Jeff Bridges, Bester Hauptdarsteller. Nix dagegen, auch wenn ich grad andere bevorzuge.
Winter’s Bone
Ein schöner Film. Schön, ob das das richtige Wort ist? Die Landschaft, die Ozark Mountains, ist abgelegen, karg und herb, hier leben bitterarme Menschen. Die „ordinary folks“, für die jeder Tag ein Überlebenskampf ist.
Die 17-jährige Ree (Jennifer Lawrence) versorgt in so einem Bergdorf ihre beiden Geschwister, Sonny, 12, und Ashlee, 6. Ihre Mutter ist zwar da, spielt aber nicht mit. Sie ist entweder depressiv oder unter Drogen, die ihr Mann, Jessup, illegal im Gebüsch zusammengebraut hat. Meth. Deshalb wurde er auch angeklagt, hat aber die Gegend mit unbekanntem Ziel verlassen, nachdem er sein Haus als Kaution gegen sofortige U-Haft eingesetzt hat. Die Bank meldet sich bald, und Ree macht sich auf die Suche nach dem Ausreißer. Die Nachbarschaftshilfe funktioniert einigermaßen. Jeder ist arm, aber trotzdem bekommt Ree hier und da Unterstützung. Sie kann das Pferd bei einer Nachbarin unterstellen, bekommt Wild ab, das einer erlegt hat, darf ihr Feuerholz in einem elektrischen Hackgerät zerkleinern.
Fast alle, die mit ihrem Vater zu tun hatten, sind auf irgendeine Weise kriminell. Auch der knarzige Onkel Teardrop (John Hawkes), Jessups Bruder. Das macht die Suche nicht einfacher oder ungefährlicher. Ree wird dann auch mal zusammengeschlagen, aber sie lässt sich nicht einschüchtern. Sie ist keine Heldin, niemand ist hier ein Held, ein Draufgänger, oder in irgendeiner Weise überragend. Sie geht ihren Weg, tut, was zu tun ist. Wie alle anderen auch. Der Vater wird gefunden. Und das Ende, so wie es ist, geht okay. Richtig gut kann es nicht werden. Aber das Leben hat ja auch kein happy end.
John Hawkes erhielt eine Nominierung für Besten Nebendarsteller, Jennifer Lawrence für Beste Hauptdarstellerin. Aber beides nicht meine Favoriten. Und für Besten Film auch nicht. Obwohl ich da noch gar keinen klaren Favoriten hab. Ich muss noch Filme sehen und dann abwägen. Ein hartes Business.
„Ruckedigu, Blut ist im Schuh“ heißt es bei Schneewittchen. Aber der Schwan hier im Film ist nicht die böse Stiefmutter aus Schneewittchen, obwohl ihre Füße bluten. Ihre Zehen, ihre Fingernägel, ihr Rücken. Blut überall.
Es gibt ja richtig gute Filme, die durch einen oder mehrere Schauspieler richtig versaut werden können. Oder es gibt die anderen Filme, die durch einzelne Schauspieler geadelt werden.
„Black Swan“ ist so einer. Die Story ist gar nicht so schlecht, ein Melodram erster Güte mit allen Zutaten: Verrat, Ehrgeiz, Besessenheit, Irrizität, Sex, Liebe, Eifersucht und Tod.
Ballett-Sternchen Nina (Natalie Portman) trachtet nach Höherem, unterstützt und angetrieben von der ehrgeizigen Mutter Erica (Barbara Hershey), die selber mal von einer Karriere als Tänzerin träumte, aber wegen der Schwangerschaft ihren Traum aufgab und auf die Tochter übertrug. Nina soll den Schwanensee-Schwan tanzen, aber nicht nur den guten, weißen, sondern auch den bösen, schwarzen. Der Ballettmeister ist ihr Svengali, Lily (Mila Kunis) ihre Konkurrentin, ihre Tür zum richtigen Leben. Dieses Leben mit Sex, Drugs and Rock ’n Roll. Eine Achterbahn der Emotionen nennt man das gern. Es ist eine außer Kontrolle geratene supersonic high speed Achterbahn mit Extras, von der man unversehens ins Nichts geschleudert wird. Nirvana? Hölle? Erfüllung?
Auf jeden Fall Gänsehaut. Natalie Portman soll fast ein Jahr lang für diese Rolle als Primaballerina trainiert haben. Es hat sich gelohnt. Sie ist mein Tipp für den Oscar 2011 als beste Hauptdarstellerin.
127 Hours.
Aron Ralston (James Franco) gibt es wirklich. Aron ist Extremsportler, Bergsteiger. Ein eigenwilliger, fröhlicher und freundlicher Bube. Und ein Einzelgänger. Er reagiert ungern bis nie auf die Nachrichten auf seinem Anrufbeantworter, und wenn er zu einer seiner Touren aufbricht, erzählt er niemandem, wohin und wie lang. So passierte es, dass er bei einer Klettertour in einen Felsspalt abrutscht. Gar nicht mal so tief, aber blöderweise rollt ein Felsbrocken hinterher und klemmt eine Hand zwischen Felswand und Brocken.
„Between a rock and a hard place“, wie die Redewendung geht. Das ist auch der Titel von Aron Ralstons Buch, auf dem der Film basiert.
Aron versucht mit allen Mitteln, sich aus dieser Lage zu befreien. Er hackt mit seinem Taschenmesser am Fels rum und versucht, ihn zu zerkleinern. Er baut mit Karabinern und Seil einen Flaschenzug. Nichts klappt. Nach fünf Tagen Dürre und Regengüssen, ziemlich entkräftet, beschließt er, seinen Arm zu amputieren. Auch das misslingt mit dem Taschenmesser, es ist nicht scharf genug, um den Knochen zu durchtrennen. Also sinnt er auf eine andere Methode.
Zartbesaiteten rate ich, ab der 62. Minute ca fünf Minuten lang Augen und Ohren zu schließen. Oder nur mal durch die vorgehaltenen Finger zu blinzeln.
Nicht nur bis dahin, sondern auch danach ist es ein saumäßig spannender Film, der stellenweise Schnappatmung bei mir verursachte.
James Franco, der mir bisher gänzlich unbekannt war, ist für einen Hauptdarsteller-Oscar nominiert, „127 Hours“ für Besten Film und für Bestes Drehbuch. Na gut, seh ich jetzt nicht so, die Konkurrenz ist sehr stark. Und ich hab ohnehin andere Favoriten. Aber Wunder geschehn. Abwarten.
The Fighter.
Hier habe ich einen dieser wüsten „Rocky“ Schlägerfilme erwartet. Harte Brocken mit dicken Muskeln und Hälsen prügeln auf einander ein, bis das Blut aus allen Kopföffnungen spritzt. Am besten auf das johlende Publikum. Aber nix dergleichen. Oder nur moderat.
„The Fighter“ ist nun tatsächlich ein Boxerfilm, der tragische Held ist ein Weltergewichtler, Micky Ward (Mark Wahlberg), der bislang von seinem älteren Halbbruder Dicky Eklund(Christian Bale) trainiert, und von seiner überdrehten Mutter (Melissa Leo) gemanaged wurde - mehr schlecht als recht. Und vor allem ziemlich erfolglos. Dicky ist ein dauerlabernder Crackhead, der selbst Boxer und mal gegen Sugar Ray Leonard erfolgreich war. Sagt er. Für Micky war Dicky von Jugend an der große Held. Dicky und die Mutter, Alice (nebst sieben Töchtern, alle Anfang 20, die gern Siebenlinge sein könnten) gängeln Micky. Micky ist unentschlossen, in sich gekehrt, und sein Familienleben ist keins. Als er Charlene (Amy Adams) kennenlernt, die in einer Bar arbeitet, ändert sich einiges. Mittlerweile muss Dicky mal wieder in den Knast, wo er erst mal auf dicke Hose macht, bis den Knackis eine kritische Doku über seine erfolglose Karriere gezeigt wird.
Nach all den erfolglosen Kämpfen mit ungeeigneten Gegnern bekommt Micky die Chance, in Las Vegas ernsthaft zu trainieren. Charlene redet ihm zu. Alice, die Mutter ist dagegen. Sie ist felsenfest überzeugt, dass ihre beiden Söhne allein durch ihr Management so „erfolgreich“ waren. Nachdem Dicky aus dem Gefängnis kommt, geht Micky jedoch zurück zu ihm, lässt sich vom Mutter/Sohn-Duo weitertrainieren. Ein Ende bahnt sich an, das zwar durchaus „happy“ aber aus meiner Sicht einfach lulli war.
Es fehlt der Knall, die Figur des Micky bleibt blass, uninspiriert. Da ist Christian Bale schon lebendiger, glaubhafter. Auch Amy Adams hat mich überzeugt. Aber allen voran die unvergleichliche Melissa Leo, der ich ganz doll die Daumen für den Oscar in einer weiblichen Nebenrolle drücke.
The King’s Speech.
Kann man einen Film, der von 1925 bis 1937 spielt, schon einen Kostümfilm nenne? Ganz bestimmt, wenn als Kulisse die königlichen Wohnsitze der britischen Royals im Spiel sind. Und eigentlich bin ich nicht so scharf auf Kostümfilme. Oder Historienschinken. Aber der hier ist ganz anders.
Es geht um den späteren König George VI, ehemals Albert „Bertie“ (Colin Firth), der zweitgeborene Sohn von George V, der 1936 starb.
Eigentlich sollte Edward die Regentschaft übernehmen, aber da stand Wallis Simpson, eine geschiedene Amerikanerin, im Weg.
Bertie also, war glücklich verheiratet mit Elizabeth (Helena Bonham Carter) und hatte zwei Töchter, Margaret und Elizabeth (die amtierende Königin von England). Und Bertie war ein Stotterer. Es war die Zeit, als das Radio anfing, eine große Rolle im Leben der Menschen zu spielen. Das Königshaus nutzte die neue Technik für Ansprachen ans Volk. Für einen Stotterer ein Desaster. Herkömmliche Maßnahmen, wie Demosthenes bei Sprechübungen Murmeln in den Mund zu packen, erweisen sich als nutzlos. Berties Frau findet einen gescheiterten australischen Schauspieler, Lionel Logue (Geoffrey Rush), der in England Sprachtherapie praktiziert. Bertie wird Patient/Schüler von Mr. Logue, dem Logopäden. Logue ist unzeremoniell und direkt, ihm ist es wurscht, wer sein Kunde ist. Er arbeitet nicht außer Haus und besteht darauf, dass Bertie in sein Haus kommt. Als er ihm dann noch vorschlägt, sich bei ihren Vornamen zu nennen, verschlägt es Bertie die ohnehin wackelige Sprache. Auch wenn es lange so aussieht, als sei Bertie ein hoffnungsloser Fall, lässt Lionel Logue nicht locker. Der unkonventionelle Lionel und der zurückhaltende Bertie, gefangen in seinem royalen Korsett, lernen sich zu akzeptieren und erfolgreich miteinander zu arbeiten.
Ein Höhepunkt in der Historie und ein persönlicher Erfolg für Bertie (und Logue auch) ist seine Rundfunkansprache an seine Untertanen, als er Hitler den Krieg erklärt.
Diese Rede, so dramatisch der Inhalt, langsam, leicht stockend vorgetragen, haben mir tatsächlich Tränen in die Augen getrieben. Meine absoluter Favorit für den Oscar für eine männliche Hauptrolle: Colin Firth. Für die männliche Nebenrolle: Geoffrey Rush.
Please, dear „Academy of Motion Picture Arts and Sciences“, pretty please!
True Grit
Ein eingeschworener John-Wayne-Fan war ich nie. Aber es gab immer einige Filme, die ich trotzdem mochte. In denen ich John Wayne mochte. Dazu gehörte auf jeden Fall „True Grit“, damals, anno pief, mit Kim Darby, die ich nicht so großartig fand. Rooster Cogburn war John Wayne, und John Wayne war Rooster Cogburn, der Revolverheld.
Die Coen Brothers haben den Stoff neu verfilmt mit Jeff Bridges, der jetzt grad im richtigen Alter für den Rooster Cogburn ist, und mit Hailee Steinfeld, der 14jährigen Newcomerin, als Mattie, die ich auf Anhieb besser fand als Kim Darby.
Auch wenn Jeff Bridges im richtigen Alter ist, hat er nicht das Wayne-sche Volumen. Wahrscheinlich ist das ungerecht, die beiden miteinander zu vergleichen, aber „True Grit“ ist ein Klassiker, da kommt das automatisch.
Nun mag ich ja Bridges, und er kommt hier nicht so egozentrisch heldisch und eitel wie Wayne daher, was mir gefällt. Er gibt den einäugigen alten Marshal, der sich widerwillig darauf einlässt, mit Mattie den Mörder ihres Vaters zu jagen. Sie ist in der Tradition des Wilden Westens aufgewachsen: an eye for an eye, a tooth for a tooth. Kein bisschen Wildwest-Romantik. Prärie, unwegsames Indianergebiet, einige Ballerei, kein Platz für Hygiene, alle riechen so wie man riecht, wenn man wochenlang in den gleichen Klamotten zu Pferde unterwegs ist. Ich konnte ihnen den strengen Geruch quasi ansehen. Und erschnuppern, aber das war vielleicht mein Sitznachbar.
Wie das meistens so ist in den Western, siegt die Gerechtigkeit, und dass Mattie, die nie geheiratet hatte, sich dann nach 25 Jahren auf die Suche nach Rooster macht, ist so etwas wie ein happy end.
Hier gibt’s eine Oscar Nominierung für Besten Film (muss nicht unbedingt), und eine für Jeff Bridges, Bester Hauptdarsteller. Nix dagegen, auch wenn ich grad andere bevorzuge.
Winter’s Bone
Ein schöner Film. Schön, ob das das richtige Wort ist? Die Landschaft, die Ozark Mountains, ist abgelegen, karg und herb, hier leben bitterarme Menschen. Die „ordinary folks“, für die jeder Tag ein Überlebenskampf ist.
Die 17-jährige Ree (Jennifer Lawrence) versorgt in so einem Bergdorf ihre beiden Geschwister, Sonny, 12, und Ashlee, 6. Ihre Mutter ist zwar da, spielt aber nicht mit. Sie ist entweder depressiv oder unter Drogen, die ihr Mann, Jessup, illegal im Gebüsch zusammengebraut hat. Meth. Deshalb wurde er auch angeklagt, hat aber die Gegend mit unbekanntem Ziel verlassen, nachdem er sein Haus als Kaution gegen sofortige U-Haft eingesetzt hat. Die Bank meldet sich bald, und Ree macht sich auf die Suche nach dem Ausreißer. Die Nachbarschaftshilfe funktioniert einigermaßen. Jeder ist arm, aber trotzdem bekommt Ree hier und da Unterstützung. Sie kann das Pferd bei einer Nachbarin unterstellen, bekommt Wild ab, das einer erlegt hat, darf ihr Feuerholz in einem elektrischen Hackgerät zerkleinern.
Fast alle, die mit ihrem Vater zu tun hatten, sind auf irgendeine Weise kriminell. Auch der knarzige Onkel Teardrop (John Hawkes), Jessups Bruder. Das macht die Suche nicht einfacher oder ungefährlicher. Ree wird dann auch mal zusammengeschlagen, aber sie lässt sich nicht einschüchtern. Sie ist keine Heldin, niemand ist hier ein Held, ein Draufgänger, oder in irgendeiner Weise überragend. Sie geht ihren Weg, tut, was zu tun ist. Wie alle anderen auch. Der Vater wird gefunden. Und das Ende, so wie es ist, geht okay. Richtig gut kann es nicht werden. Aber das Leben hat ja auch kein happy end.
John Hawkes erhielt eine Nominierung für Besten Nebendarsteller, Jennifer Lawrence für Beste Hauptdarstellerin. Aber beides nicht meine Favoriten. Und für Besten Film auch nicht. Obwohl ich da noch gar keinen klaren Favoriten hab. Ich muss noch Filme sehen und dann abwägen. Ein hartes Business.
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