Hier hab ich seit über einem Monat nix geschrieben. Und nicht nur hier nicht. Es mangelt grad etwas an der Zeit. So eine Filmbesprechung schreibt sich eben nicht so schnell wie sich ein Film kuckt.
Nun hat mich ein ehemaliger Mitstreiter von "Westropolis"(das leider einging) angestupst, und ich werde auf seinem neuen Kulturblog "Kultur und mehr im Ruhrgebiet" ab und zu meinen Kinosenf abladen.
In meinem Fall wurde auch der Bereich "Ruhrgebiet" recht großzügig abgesteckt. Aber schließlich ist die Sparte "Kino" gebietsübergreifend... passt scho, hoff ich.
Und vielleicht schaff ich es ja mal zum "Ruhri h.c.". Würde sich besser anfühlen als "Immi"
Aktuell gibts dort meine Beiträge zu "Source Code" und, ganz neu heute, auch zu "Tree of Life".
Hin und wieder werde ich auch hier wieder meine schlauen Kommentare abgeben, aber in Abständen halt.
Bis denne...
Sonntag, 26. Juni 2011
Freitag, 20. Mai 2011
Limitless – Ohne Limit
So was wünschen wir uns doch bestimmt alle: eine Pille, die superschlau macht, die ganzen 100% der Hirnmasse ausnahmslos positiv aktiviert, und die keine schädlichen Nebenwirkungen hat: NZT heißt die in dem Film, und Ed Morra (Bradley Cooper) ist der Glückliche - und der Einzige – der Zugriff darauf hat.
Lindy (Abby Cornish), in Lohn und Brot, hat es als Freundin von Ed, einem Schlunz mit Schreibblockade, nicht leicht. Der Schmock, der nix gebacken kriegt, der ständig beteuert, dass sein Buch – für das er schon einen Vorschuss verpulvert hat – so gut wie fertig ist. Dabei hat er noch nicht mal das virtuelle Blatt in die Maschine gespannt. Lindy hat das Rumgeeiere satt und trennt sich von ihm. So einen kann sie in ihrem aufgeräumten Leben nicht brauchen.
Aber dann trifft Ed zufällig seinen früheren Schwager Vernon (Johnny Whitworth), der inzwischen Pharmazie-Vertreter und im Besitz der Wunderpille NZT ist. Er lässt Ed mal kosten. Den haut es aus den Latschen, denn plötzlich blickt er nicht nur voll durch, sondern auch alles, was er je gesehen, gelesen und gehört hat, ist präsent als würd’s grad geschehen. Im Nullkommanix schreibt er innerhalb weniger Tage das viel besungene Buch, und das Beste: er weiß sofort, ohne nachdenken zu müssen, für alles eine Lösung, an was es der Welt um ihn herum so gebricht. Er hat Blut geleckt, er will mehr. Er kriegt mehr. Fortan ist er der King, wächst, blüht und gedeiht als Börsenguru und wird schwerst reich. Jetzt kommt der von mir sehr verehrte Herr de Niro als Carl van Loon ins Spiel. Er gibt den eleganten und höchst legitimen Finanzhai, aber in der ihm eigenen Gangstermanier, auf die er jetzt offenbar abonniert ist. Natürlich ist der nicht umsonst Hai, der sieht schon, dass Eddie ihm nützlich sein kann.
Als van Loon Eddie fragt: „What’s your secret?“ antwortet Eddie lakonisch: „Medication“. Medizin.
Das schöne Leben in Reichtum und Comfort könnte so weiter gehen, bis an ihr selig Ende, wenn da nicht Bösewichte wären (natch), die auch hinter der Droge her sind. Das Böseste, was Hollywood derzeit zu bieten hat, sind ganz fiese Russen. So fies, dass sie Ganzkörpergänsehaut verschaffen, wenn sie so mit Skalpellen und anderem Schnitzwerkzeug rumfuchteln.
Irgendwann stellte sich mir ganz leise die Frage nach der Moral, nach dem Motiv, nach der Message. War da ein bisschen Faust’sche Seelenverkäuferei im Spiel? Oder „make drugs legal“? Wenn’s denn schlau macht und keinem schadet, keine Nebenwirkungen hat? Aber nein, sie macht zwar schlau, die Wunderpille, produziert „total recall“ aber genügt das? Wäre es nicht schön, wenn sie auch die Intelligenz als solche befruchtete, das Talent, zu argumentieren, abzuwägen, ach was, die Welt zu retten, wenn wir schon mal dabei sind? Aber gut, das wurde im Film nicht thematisiert, und das wäre auch zu weit gegangen. Ist schließlich ein „was wäre wenn“-Film, ein bisschen Science Fiction, Action, Märchen und ganz viele Special Effects, die vermitteln, was Eddie sieht, erlebt, fühlt, wenn er eine frische Pille eingeworfen hat.
Irgendwann ist sein Vorrat alle, und die Neubeschaffung sowie die Jagd der Bösen auf die heiße Ware, machen das Kernstück des Films aus.
Den Schauspieler Bradley Cooper hatte ich bisher gar nicht auf dem Schirm. Er ist in Deutschland vermutlich durch die Serie „Nip/Tuck“ bekannt und am leichtesten an seinen knallhellblauen Augen (die ich „Glasaugen“ nenne) zu erkennen. Er macht den Eddie ordentlich, aber vom Hocker hat’s mich nicht gerissen. Abbie Cornish ist eine junge australische Schauspielerin, die hierzulande noch kaum bekannt ist. Sie erinnert optisch stark an die frühe Nicole Kidman. Ihre Rolle war zu klein, um irgendwelche besonderen Qualitäten entdecken zu können.
Robert de Niro als Finanzmogul Carl van Loon hat ebenfalls nur eine Nebenrolle, aus der er leider nicht genug macht. Da fehlte mir etwas Diabolik.
Unterm Strich 105 spannendes und unterhaltsames Entertainment, aber auch nicht mehr.
Lindy (Abby Cornish), in Lohn und Brot, hat es als Freundin von Ed, einem Schlunz mit Schreibblockade, nicht leicht. Der Schmock, der nix gebacken kriegt, der ständig beteuert, dass sein Buch – für das er schon einen Vorschuss verpulvert hat – so gut wie fertig ist. Dabei hat er noch nicht mal das virtuelle Blatt in die Maschine gespannt. Lindy hat das Rumgeeiere satt und trennt sich von ihm. So einen kann sie in ihrem aufgeräumten Leben nicht brauchen.
Aber dann trifft Ed zufällig seinen früheren Schwager Vernon (Johnny Whitworth), der inzwischen Pharmazie-Vertreter und im Besitz der Wunderpille NZT ist. Er lässt Ed mal kosten. Den haut es aus den Latschen, denn plötzlich blickt er nicht nur voll durch, sondern auch alles, was er je gesehen, gelesen und gehört hat, ist präsent als würd’s grad geschehen. Im Nullkommanix schreibt er innerhalb weniger Tage das viel besungene Buch, und das Beste: er weiß sofort, ohne nachdenken zu müssen, für alles eine Lösung, an was es der Welt um ihn herum so gebricht. Er hat Blut geleckt, er will mehr. Er kriegt mehr. Fortan ist er der King, wächst, blüht und gedeiht als Börsenguru und wird schwerst reich. Jetzt kommt der von mir sehr verehrte Herr de Niro als Carl van Loon ins Spiel. Er gibt den eleganten und höchst legitimen Finanzhai, aber in der ihm eigenen Gangstermanier, auf die er jetzt offenbar abonniert ist. Natürlich ist der nicht umsonst Hai, der sieht schon, dass Eddie ihm nützlich sein kann.
Als van Loon Eddie fragt: „What’s your secret?“ antwortet Eddie lakonisch: „Medication“. Medizin.
Das schöne Leben in Reichtum und Comfort könnte so weiter gehen, bis an ihr selig Ende, wenn da nicht Bösewichte wären (natch), die auch hinter der Droge her sind. Das Böseste, was Hollywood derzeit zu bieten hat, sind ganz fiese Russen. So fies, dass sie Ganzkörpergänsehaut verschaffen, wenn sie so mit Skalpellen und anderem Schnitzwerkzeug rumfuchteln.
Irgendwann stellte sich mir ganz leise die Frage nach der Moral, nach dem Motiv, nach der Message. War da ein bisschen Faust’sche Seelenverkäuferei im Spiel? Oder „make drugs legal“? Wenn’s denn schlau macht und keinem schadet, keine Nebenwirkungen hat? Aber nein, sie macht zwar schlau, die Wunderpille, produziert „total recall“ aber genügt das? Wäre es nicht schön, wenn sie auch die Intelligenz als solche befruchtete, das Talent, zu argumentieren, abzuwägen, ach was, die Welt zu retten, wenn wir schon mal dabei sind? Aber gut, das wurde im Film nicht thematisiert, und das wäre auch zu weit gegangen. Ist schließlich ein „was wäre wenn“-Film, ein bisschen Science Fiction, Action, Märchen und ganz viele Special Effects, die vermitteln, was Eddie sieht, erlebt, fühlt, wenn er eine frische Pille eingeworfen hat.
Irgendwann ist sein Vorrat alle, und die Neubeschaffung sowie die Jagd der Bösen auf die heiße Ware, machen das Kernstück des Films aus.
Den Schauspieler Bradley Cooper hatte ich bisher gar nicht auf dem Schirm. Er ist in Deutschland vermutlich durch die Serie „Nip/Tuck“ bekannt und am leichtesten an seinen knallhellblauen Augen (die ich „Glasaugen“ nenne) zu erkennen. Er macht den Eddie ordentlich, aber vom Hocker hat’s mich nicht gerissen. Abbie Cornish ist eine junge australische Schauspielerin, die hierzulande noch kaum bekannt ist. Sie erinnert optisch stark an die frühe Nicole Kidman. Ihre Rolle war zu klein, um irgendwelche besonderen Qualitäten entdecken zu können.
Robert de Niro als Finanzmogul Carl van Loon hat ebenfalls nur eine Nebenrolle, aus der er leider nicht genug macht. Da fehlte mir etwas Diabolik.
Unterm Strich 105 spannendes und unterhaltsames Entertainment, aber auch nicht mehr.
Sonntag, 15. Mai 2011
Mein Engel, ich fliege
"Mon ange, ach, mein Englein
wohin fliegst du so schnell?
Ich hol' dich nicht ein,
schweb' mal auf der Stell'..."
"Das geht nicht, mein Liebchen,
du weißt, wie das ist:
Wer rastet, der rostet.
Bleib' nie, wo du bist!"
"Ich fliege, mein Englein,
ich dreh' mich im Kreis,
ich jag' durch die Wolken
mir ist schon ganz heiß!"
"Wolke Sieben, mein Liebchen,
ist nächstes Jahr frei,
da treffen wir uns,
nachmittags um drei."
"Ach Englein, ich weiß nicht!
Ob das so schnell geht?
Na, ich flieg' schonmal los,
sonst komm ich zu spät"
Leah Herz
wohin fliegst du so schnell?
Ich hol' dich nicht ein,
schweb' mal auf der Stell'..."
"Das geht nicht, mein Liebchen,
du weißt, wie das ist:
Wer rastet, der rostet.
Bleib' nie, wo du bist!"
"Ich fliege, mein Englein,
ich dreh' mich im Kreis,
ich jag' durch die Wolken
mir ist schon ganz heiß!"
"Wolke Sieben, mein Liebchen,
ist nächstes Jahr frei,
da treffen wir uns,
nachmittags um drei."
"Ach Englein, ich weiß nicht!
Ob das so schnell geht?
Na, ich flieg' schonmal los,
sonst komm ich zu spät"
Leah Herz
Donnerstag, 14. April 2011
The Mechanic
Dieses Schlag-mich-tot – Genre liegt mir einfach nicht. Da ruft ein mächtiger und zahlungskräftiger Strippenzieher einen Berufskiller an und sagt so was in der Art von „Der muss weg“. Dann nimmt der Berufskiller die Knete und murkst den, der weg muss, ab. Der Bonze lehnt sich zurück, er hat die Schmutzarbeit delegiert. So wird das gemacht auf den Chef-Etagen.
Der Berufskiller Arthur Bishop (Jason Statham) hinterlässt keine Spuren. Er ist kein abgestumpfter Depp mit harten Fäusten, Messern und Knarre, ohne Hirn. Er ist intelligent, plant sorgfältig und genießt die schönen Dinge des Lebens, wenn er nicht grad Menschen umbringt. Er ist ein Ästhet. Er sitzt in seiner kühl-eleganten Wohnung und grübelt vor sich hin. Optisch erinnert er an den jungen Bruce Willis und auch an einen dieser hard-bodies aus „Prison Break“. Kantig mit gestählten Muskeln und hartem Kinn. Emotionen sind vordergründig schwer zu erkennen. Außer vielleicht die blinde Wut und der Hass bei dem jungen Eleven Steve.
Es ist die Neuauflage des Films von 1972 - an den ich mich nicht erinnere - mit dem versteinerten Narbengesicht Charles Bronson. Remakes sind natürlich moderner, technisch up-to-date und meistens brutaler, effektvoller und rasanter. Mehr Rasanz heißt nicht unbedingt mehr Qualität. Ich mag ja lineare Handlungsstränge, oder zumindest solche, denen ich in Sekundenschnelle folgen kann, ohne lange nachdenken zu müssen, wer wer ist, und was wer will, und warum. Das Warum versuppte lange Zeit im Nebel meiner strapazierten Hirnwindungen.
Profikiller Arthur ist der Mechaniker. Er genießt den Ruf, seine Aufträge schnell, diskret und effektiv zu erledigen. Er empfängt seine Aufträge per Wegwerfhandy, das er mit elegantem Schwung im nächsten Müllcontainer entsorgt, plant umständliche Szenarien, die seine Spuren neutralisieren.
Als er von einem Auftraggeber verpflichtet wird, seinen langjährigen Mentor und Freund Harry (Donald Sutherland) zu töten, der die Firma hintergangen haben soll, tut er seinen Job. Er hinterfragt nichts. Job ist Job. Er inszeniert seinen perfekten Abgang, und ist später als Trauergast bei Harrys Beerdigung zu sehen.
Hier trifft Bishop auf Steve (Ben Foster), Harrys Sohn, der bei ihm „in die Lehre“ gehen will. Bishop lässt sich darauf ein. Es kann nicht schaden, einen Helfer in der Rückhand zu haben, wenn’s mal brenzlig wird. Bishop ist schließlich nicht mehr ganz taufrisch. Steve will den Tod seines Vaters rächen. Er glaubt, dass eine Bande von car-jackern dahinter steckt. Steve ist ein Hitzkopf. Er hört sich zwar Bishops detaillierte Anweisungen an, aber gleich bei seinem ersten Job verwirft er die, und glaubt, er kommt schneller zum Ziel, wenn er das Opfer einfach sofort und ohne Umschweife totschlägt. Was allerdings nicht so klappt, wie er sich vorgestellt hat. Manches klappt nicht so, wie Steve sich das vorstellt. Und Manches klappt nicht so, wie Bishop sich das vorstellt.
Als Steve endlich, und durch Zufall, dahinter kommt, dass Bishop seinen Vater gekillt hat, will er ihn umbringen. Der show-down ist hitzköpfig und spontan, cool und überlegt. Und einer ist überlegen.
Der Berufskiller Arthur Bishop (Jason Statham) hinterlässt keine Spuren. Er ist kein abgestumpfter Depp mit harten Fäusten, Messern und Knarre, ohne Hirn. Er ist intelligent, plant sorgfältig und genießt die schönen Dinge des Lebens, wenn er nicht grad Menschen umbringt. Er ist ein Ästhet. Er sitzt in seiner kühl-eleganten Wohnung und grübelt vor sich hin. Optisch erinnert er an den jungen Bruce Willis und auch an einen dieser hard-bodies aus „Prison Break“. Kantig mit gestählten Muskeln und hartem Kinn. Emotionen sind vordergründig schwer zu erkennen. Außer vielleicht die blinde Wut und der Hass bei dem jungen Eleven Steve.
Es ist die Neuauflage des Films von 1972 - an den ich mich nicht erinnere - mit dem versteinerten Narbengesicht Charles Bronson. Remakes sind natürlich moderner, technisch up-to-date und meistens brutaler, effektvoller und rasanter. Mehr Rasanz heißt nicht unbedingt mehr Qualität. Ich mag ja lineare Handlungsstränge, oder zumindest solche, denen ich in Sekundenschnelle folgen kann, ohne lange nachdenken zu müssen, wer wer ist, und was wer will, und warum. Das Warum versuppte lange Zeit im Nebel meiner strapazierten Hirnwindungen.
Profikiller Arthur ist der Mechaniker. Er genießt den Ruf, seine Aufträge schnell, diskret und effektiv zu erledigen. Er empfängt seine Aufträge per Wegwerfhandy, das er mit elegantem Schwung im nächsten Müllcontainer entsorgt, plant umständliche Szenarien, die seine Spuren neutralisieren.
Als er von einem Auftraggeber verpflichtet wird, seinen langjährigen Mentor und Freund Harry (Donald Sutherland) zu töten, der die Firma hintergangen haben soll, tut er seinen Job. Er hinterfragt nichts. Job ist Job. Er inszeniert seinen perfekten Abgang, und ist später als Trauergast bei Harrys Beerdigung zu sehen.
Hier trifft Bishop auf Steve (Ben Foster), Harrys Sohn, der bei ihm „in die Lehre“ gehen will. Bishop lässt sich darauf ein. Es kann nicht schaden, einen Helfer in der Rückhand zu haben, wenn’s mal brenzlig wird. Bishop ist schließlich nicht mehr ganz taufrisch. Steve will den Tod seines Vaters rächen. Er glaubt, dass eine Bande von car-jackern dahinter steckt. Steve ist ein Hitzkopf. Er hört sich zwar Bishops detaillierte Anweisungen an, aber gleich bei seinem ersten Job verwirft er die, und glaubt, er kommt schneller zum Ziel, wenn er das Opfer einfach sofort und ohne Umschweife totschlägt. Was allerdings nicht so klappt, wie er sich vorgestellt hat. Manches klappt nicht so, wie Steve sich das vorstellt. Und Manches klappt nicht so, wie Bishop sich das vorstellt.
Als Steve endlich, und durch Zufall, dahinter kommt, dass Bishop seinen Vater gekillt hat, will er ihn umbringen. Der show-down ist hitzköpfig und spontan, cool und überlegt. Und einer ist überlegen.
Alles, was wir geben mussten (Never let me go)
Alles, was die Schulkinder der englischen Boarding School geben mussten, war ihr Leben.
Darum geht es ja immer, das Leben endet mit dem Tod.
Die Kinder sind Klons, sie wissen es, und sie wissen es nicht anders. Sie haben es verinnerlicht. Aber die Frage ist, haben sie eine Seele? Über diese Frage wurden sie junge Erwachsene, und über die Antwort entscheidet sich ihr Schicksal.
Mehr will ich über diesen wunderbaren Film nicht erzählen. Manch Einer wird ihn in den Bereich der Science Fiction einordnen, und das vielleicht nicht mal zu Unrecht. Oder doch?
Sollten wir inzwischen nicht glauben, dass alles möglich ist? Haben die Forscher und Wissenschaftler denn bei Dolly, dem Schaf, aufgehört? Möglichkeiten gibt es so viele. Wird nicht immer noch mit Kryo Konservierung experimentiert? Und was, wenn das in nicht zu ferner Zukunft ein ganz normaler Teil des täglichen Lebens sein wird, das Klonen, das Einfrieren, das Transplantieren von Köpfen und Hirnen... und Seelen?
Die Schauspieler, Carey Mulilgan, Andrew Garfield, Keira Knightley sind ausgezeichnet ausgewählt, und in einer Nebenrolle sieht man Charlotte Rampling, die wunderschön altert. Der Soundtrack malt Stimmungen ohne ein einziges Mal kitschig zu sein.
Die Geschichte ging mir an die Nieren, und am Schluss hatte ich einen dicken Kloß im Hals. Und trotzdem würde ich mir den Film noch mal ansehen. Oder gerade deshalb.
Ab heute in vielen Kinos. Hingehen, anschauen.
Darum geht es ja immer, das Leben endet mit dem Tod.
Die Kinder sind Klons, sie wissen es, und sie wissen es nicht anders. Sie haben es verinnerlicht. Aber die Frage ist, haben sie eine Seele? Über diese Frage wurden sie junge Erwachsene, und über die Antwort entscheidet sich ihr Schicksal.
Mehr will ich über diesen wunderbaren Film nicht erzählen. Manch Einer wird ihn in den Bereich der Science Fiction einordnen, und das vielleicht nicht mal zu Unrecht. Oder doch?
Sollten wir inzwischen nicht glauben, dass alles möglich ist? Haben die Forscher und Wissenschaftler denn bei Dolly, dem Schaf, aufgehört? Möglichkeiten gibt es so viele. Wird nicht immer noch mit Kryo Konservierung experimentiert? Und was, wenn das in nicht zu ferner Zukunft ein ganz normaler Teil des täglichen Lebens sein wird, das Klonen, das Einfrieren, das Transplantieren von Köpfen und Hirnen... und Seelen?
Die Schauspieler, Carey Mulilgan, Andrew Garfield, Keira Knightley sind ausgezeichnet ausgewählt, und in einer Nebenrolle sieht man Charlotte Rampling, die wunderschön altert. Der Soundtrack malt Stimmungen ohne ein einziges Mal kitschig zu sein.
Die Geschichte ging mir an die Nieren, und am Schluss hatte ich einen dicken Kloß im Hals. Und trotzdem würde ich mir den Film noch mal ansehen. Oder gerade deshalb.
Ab heute in vielen Kinos. Hingehen, anschauen.
Samstag, 19. März 2011
In a better world (In einer besseren Welt)
Der Film wurde dieses Jahr mit einem Oscar für den besten fremdsprachlichen Film bedacht. Eine Kategorie, die in den USA keine Sau interessiert, und deshalb vermute ich jetzt mal vorwitzig, dass die Jury einfach Susanne Bier, die Regisseurin - quasi posthum zu Lebzeiten - genommen haben, weil sie auch schon vorher sehr gute, wenn nicht sogar bessere Filme gemacht hatte.
Zu meinem Bedauern macht sie leider keine Dogme-Filme mehr. Wahrscheinlich gab es einfach zu viele Einschränkungen, die sie nicht alle befolgen wollte. Oder konnte. Ihr Film „Nach der Hochzeit“ (in dem ich mich spontan in Mads Mikkelsen verliebte), war sehr viel besser. Ein Dogme-Film. In dem wird sogar ihr Name im Vor- und Abspann erwähnt, aber das war, soweit ich mich erinnere, das einzige, was nicht den Dogme-Richtlinien entsprach. Nein, ich will jetzt hier nicht wortreich dieser Kunstrichtung nachweinen. Es war ein schönes Experiment, das Lars van Trier und Thomas Vinterberg da ins Leben gerufen hatten. 2005, zehn Jahre nach der Einführung, überließen die Initiatoren es dann den Produzenten, ob und in welchem Maße sie sich weiterhin an die Richtlinien halten wollen.
„In a better world“ (Original „Haevnen“) behandelt Biers favorisierte Themen: Schuld, Rache, Sühne, Vergebung in familiären Beziehungen. Der alleinerziehende Vater Claus zieht nach dem Krebstod seiner Frau mit seinem Sohn Christian zurück nach Dänemark. Der freundet sich schnell mit Elias an, der in der Schule gemobbt wird. Elias’ Mutter, Marianne, ist Ärztin im Krankenhaus, sein Vater, Anton, ist abwechselnd bei der Familie in Dänemark und als Arzt in Darfurs Flüchtlingslagern.
Während Christian daheim einen von Elias’ schlimmsten Peinigern zusammenschlägt, steht Anton im Behelfskrankenhaus eines Lagers in Darfur vor der Entscheidung, einen mordenden Rebellenanführer entweder zu retten oder verrecken zu lassen. Gleiches mit Gleichem vergelten oder die andere Wange hinhalten. Auge um Auge, Zahn um Zahn oder Hüter des hippokratischen Eids sein, Hüter der Moral?
Christian, voller Trauer über den Verlust seiner Mutter, und voller Wut auf seinen Vater, dem er die Schuld an ihrem Tod gibt, arbeitet seinen Frust auf seine Weise ab. Er wird zum Rächer für die, die sich nicht wehren, die ihre andere Wange hinhalten. Seinem Vater gelingt es nicht, ihm den Tod seiner Mutter so zu erklären, dass er ihn akzeptieren kann. Seine Rage bohrt sich tiefer und tiefer, frisst ihn auf. Zusammen mit Elias, den er zum Mitmachen manipuliert, heckt er einen Plan aus: die ultimative Rache, Bestrafung, das Auge um das Auge. Es geht nicht gut aus.
Der Film handelt von dysfunktionalen Familien, von fehlender emotionaler Umarmung, von unabsichtlicher Vernachlässigung. Aber auch von Vergebung und Versöhnung. Schöne Bilder vom idyllischen Dänemark und harte vom vergewaltigten Darfur. Ein bisschen Symbolik hier und da, nicht genug um mich zu stören, dafür aber die Behintergrundung mit lieblicher Glockenspielmusik. Da hab ich mir die strikte Dogme-Regel herbeigewünscht, die forderte, dass nur solche Musik im Film zu hören sein sollte, die tatsächlich in der Handlung vorkomme. Also Musik, die wirklich „mitwirkt“, von einer live Kapelle in der Bar, dem Autoradio, dem Kirchenchor. Kein Hintergrundgedudel. Meinetwegen hätten die Damen und Herren Filmemacher das ruhig weitermachen dürfen.
Aber mich fragt ja keiner.
Zu meinem Bedauern macht sie leider keine Dogme-Filme mehr. Wahrscheinlich gab es einfach zu viele Einschränkungen, die sie nicht alle befolgen wollte. Oder konnte. Ihr Film „Nach der Hochzeit“ (in dem ich mich spontan in Mads Mikkelsen verliebte), war sehr viel besser. Ein Dogme-Film. In dem wird sogar ihr Name im Vor- und Abspann erwähnt, aber das war, soweit ich mich erinnere, das einzige, was nicht den Dogme-Richtlinien entsprach. Nein, ich will jetzt hier nicht wortreich dieser Kunstrichtung nachweinen. Es war ein schönes Experiment, das Lars van Trier und Thomas Vinterberg da ins Leben gerufen hatten. 2005, zehn Jahre nach der Einführung, überließen die Initiatoren es dann den Produzenten, ob und in welchem Maße sie sich weiterhin an die Richtlinien halten wollen.
„In a better world“ (Original „Haevnen“) behandelt Biers favorisierte Themen: Schuld, Rache, Sühne, Vergebung in familiären Beziehungen. Der alleinerziehende Vater Claus zieht nach dem Krebstod seiner Frau mit seinem Sohn Christian zurück nach Dänemark. Der freundet sich schnell mit Elias an, der in der Schule gemobbt wird. Elias’ Mutter, Marianne, ist Ärztin im Krankenhaus, sein Vater, Anton, ist abwechselnd bei der Familie in Dänemark und als Arzt in Darfurs Flüchtlingslagern.
Während Christian daheim einen von Elias’ schlimmsten Peinigern zusammenschlägt, steht Anton im Behelfskrankenhaus eines Lagers in Darfur vor der Entscheidung, einen mordenden Rebellenanführer entweder zu retten oder verrecken zu lassen. Gleiches mit Gleichem vergelten oder die andere Wange hinhalten. Auge um Auge, Zahn um Zahn oder Hüter des hippokratischen Eids sein, Hüter der Moral?
Christian, voller Trauer über den Verlust seiner Mutter, und voller Wut auf seinen Vater, dem er die Schuld an ihrem Tod gibt, arbeitet seinen Frust auf seine Weise ab. Er wird zum Rächer für die, die sich nicht wehren, die ihre andere Wange hinhalten. Seinem Vater gelingt es nicht, ihm den Tod seiner Mutter so zu erklären, dass er ihn akzeptieren kann. Seine Rage bohrt sich tiefer und tiefer, frisst ihn auf. Zusammen mit Elias, den er zum Mitmachen manipuliert, heckt er einen Plan aus: die ultimative Rache, Bestrafung, das Auge um das Auge. Es geht nicht gut aus.
Der Film handelt von dysfunktionalen Familien, von fehlender emotionaler Umarmung, von unabsichtlicher Vernachlässigung. Aber auch von Vergebung und Versöhnung. Schöne Bilder vom idyllischen Dänemark und harte vom vergewaltigten Darfur. Ein bisschen Symbolik hier und da, nicht genug um mich zu stören, dafür aber die Behintergrundung mit lieblicher Glockenspielmusik. Da hab ich mir die strikte Dogme-Regel herbeigewünscht, die forderte, dass nur solche Musik im Film zu hören sein sollte, die tatsächlich in der Handlung vorkomme. Also Musik, die wirklich „mitwirkt“, von einer live Kapelle in der Bar, dem Autoradio, dem Kirchenchor. Kein Hintergrundgedudel. Meinetwegen hätten die Damen und Herren Filmemacher das ruhig weitermachen dürfen.
Aber mich fragt ja keiner.
Samstag, 12. März 2011
Biutiful
Beautiful ist die Geschichte dieses Films nicht. Nicht „wundervoll“, sondern traurig, bedrückend, beklemmend. Und doch von ungeheuer wuchtiger Zärtlichkeit, Angst und Mut. Todesmut. Todesangst.
Uxbal (Javier Bardem) ist ein Kleinkrimineller. Mit einigen illegalen Geschäften, die von ebenso illegalen Einwanderern unter den Augen von geschmierten Polizisten auf offener Straße stattfinden, hält er sich über Wasser. Uxbal versorgt seine beiden Kinder Ana (Hanaa Buchaib) und Mateo Guillermo Estrella) allein. Seine geschiedene Ehefrau Marambra (Maricel Álvarez) leidet an einer bipolaren Persönlichkeitsstörung, nimmt ihre Medikamente nicht, und führt ein wildes Leben. Sie hat das Sorgerecht verloren. Uxbal ist ein liebevoller Vater, der versucht, den beiden Kindern ein anständiges Leben zu bereiten. Aus heiterem Himmel sagt ihm sein Arzt, dass er Krebs im Endstadium hat. Er pinkelt blutigen Urin, er hat Schmerzen, er ist verzweifelt. Er ist kriminell, und er ist nicht wirklich ein guter Mensch, aber eben auch kein wirklich schlechter. Er hat Mitgefühl, aber er will auch seinen Anteil aus den kriminellen Geschäften. Von irgendwas müssen er und seine Familie ja schließlich leben. Er hilft der Gruppe illegaler Chinesen, die von zwei chinesischen Ausbeutern wie Tiere in feuchtkalten Kellern gehalten werden. Seine Hilfe entpuppt sich als Boomerang.
Bardems Gesicht ist die fleischgewordene Sorge, Leid, Schmerz. Es gibt plötzliche Szenenwechsel, die reinhauen wie eine explodierende Bombe. Handkamera mit verrissenen Einstellungen. Laute Musik. Polizeisirenen. Statt Verfolgungsjagden mit Autos, rasen Polizei, Bösewichte und Uxbal zu Fuß durch Barcelona.
„Bring deine Angelegenheiten in Ordnung“ rät ihm eine Heilerin. Das ist ein guter Rat, denn wenn man weiß, dass man bald sterben muss, kann man die unerledigten Angelegenheiten nicht mehr guten Gewissens vor sich her schieben. Also, man könnte, aber Uxbal ist nicht gewissenlos, bloß weil er ein Krimineller ist. Er liebt seine Kinder über alles und will sie versorgt wissen, wen er nicht mehr da ist. Er versucht sogar, seine unzuverlässige, kranke Frau wieder als treusorgende Mutter zu aktivieren. Das funktioniert nicht. Sie ist unreaktivierbar.
Auch die Szenerie vermittelt Sorge, Leid und Schmerz. Hier wird nicht das Barcelona der Touristen oder Mittelstandsbevölkerung gezeigt. Uxbals Leben spielt sich in den schmuddeligen Seitenstraßen von Vororten ab. Auch die Silhouette der Sagrada Familia Basilika ist in grauen Dunst gehüllt, umgeben von hässlichen Baukränen. Die untergehende Sonne über dem Mittelmeer gleicht einem glühenden Atompilz. Alles vermittelt Trostlosigkeit, erinnert an Uxbals baldigenTod.
Vielleicht ist Uxbal ein kleines bisschen zu gut, die Umstände ein kleines bisschen zu desaströs, aber bitte, so ist das Leben. Bardem ist ein wundervoller Schauspieler, und seine hierzulande weitestgehend unbekannten Mitspieler sind ausgezeichnet besetzt.
Der Titel, falls sich jemand wundert, ergibt sich aus einem Rechtschreibfehler in den Hausaufgaben von Ana, unter Mithilfe des Vaters.
Schon allein wegen Bardem lohnt es sich, den Film zu sehen. Aber nicht nur deshalb. Ob nun überzogen oder nicht, die Geschichte von Uxbal geht ans Herz, und zwar mit geballter Wucht.
Uxbal (Javier Bardem) ist ein Kleinkrimineller. Mit einigen illegalen Geschäften, die von ebenso illegalen Einwanderern unter den Augen von geschmierten Polizisten auf offener Straße stattfinden, hält er sich über Wasser. Uxbal versorgt seine beiden Kinder Ana (Hanaa Buchaib) und Mateo Guillermo Estrella) allein. Seine geschiedene Ehefrau Marambra (Maricel Álvarez) leidet an einer bipolaren Persönlichkeitsstörung, nimmt ihre Medikamente nicht, und führt ein wildes Leben. Sie hat das Sorgerecht verloren. Uxbal ist ein liebevoller Vater, der versucht, den beiden Kindern ein anständiges Leben zu bereiten. Aus heiterem Himmel sagt ihm sein Arzt, dass er Krebs im Endstadium hat. Er pinkelt blutigen Urin, er hat Schmerzen, er ist verzweifelt. Er ist kriminell, und er ist nicht wirklich ein guter Mensch, aber eben auch kein wirklich schlechter. Er hat Mitgefühl, aber er will auch seinen Anteil aus den kriminellen Geschäften. Von irgendwas müssen er und seine Familie ja schließlich leben. Er hilft der Gruppe illegaler Chinesen, die von zwei chinesischen Ausbeutern wie Tiere in feuchtkalten Kellern gehalten werden. Seine Hilfe entpuppt sich als Boomerang.
Bardems Gesicht ist die fleischgewordene Sorge, Leid, Schmerz. Es gibt plötzliche Szenenwechsel, die reinhauen wie eine explodierende Bombe. Handkamera mit verrissenen Einstellungen. Laute Musik. Polizeisirenen. Statt Verfolgungsjagden mit Autos, rasen Polizei, Bösewichte und Uxbal zu Fuß durch Barcelona.
„Bring deine Angelegenheiten in Ordnung“ rät ihm eine Heilerin. Das ist ein guter Rat, denn wenn man weiß, dass man bald sterben muss, kann man die unerledigten Angelegenheiten nicht mehr guten Gewissens vor sich her schieben. Also, man könnte, aber Uxbal ist nicht gewissenlos, bloß weil er ein Krimineller ist. Er liebt seine Kinder über alles und will sie versorgt wissen, wen er nicht mehr da ist. Er versucht sogar, seine unzuverlässige, kranke Frau wieder als treusorgende Mutter zu aktivieren. Das funktioniert nicht. Sie ist unreaktivierbar.
Auch die Szenerie vermittelt Sorge, Leid und Schmerz. Hier wird nicht das Barcelona der Touristen oder Mittelstandsbevölkerung gezeigt. Uxbals Leben spielt sich in den schmuddeligen Seitenstraßen von Vororten ab. Auch die Silhouette der Sagrada Familia Basilika ist in grauen Dunst gehüllt, umgeben von hässlichen Baukränen. Die untergehende Sonne über dem Mittelmeer gleicht einem glühenden Atompilz. Alles vermittelt Trostlosigkeit, erinnert an Uxbals baldigenTod.
Vielleicht ist Uxbal ein kleines bisschen zu gut, die Umstände ein kleines bisschen zu desaströs, aber bitte, so ist das Leben. Bardem ist ein wundervoller Schauspieler, und seine hierzulande weitestgehend unbekannten Mitspieler sind ausgezeichnet besetzt.
Der Titel, falls sich jemand wundert, ergibt sich aus einem Rechtschreibfehler in den Hausaufgaben von Ana, unter Mithilfe des Vaters.
Schon allein wegen Bardem lohnt es sich, den Film zu sehen. Aber nicht nur deshalb. Ob nun überzogen oder nicht, die Geschichte von Uxbal geht ans Herz, und zwar mit geballter Wucht.
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