Sonntag, 30. Januar 2011

Six films for the price of one

Black Swan
„Ruckedigu, Blut ist im Schuh“ heißt es bei Schneewittchen. Aber der Schwan hier im Film ist nicht die böse Stiefmutter aus Schneewittchen, obwohl ihre Füße bluten. Ihre Zehen, ihre Fingernägel, ihr Rücken. Blut überall.
Es gibt ja richtig gute Filme, die durch einen oder mehrere Schauspieler richtig versaut werden können. Oder es gibt die anderen Filme, die durch einzelne Schauspieler geadelt werden.
„Black Swan“ ist so einer. Die Story ist gar nicht so schlecht, ein Melodram erster Güte mit allen Zutaten: Verrat, Ehrgeiz, Besessenheit, Irrizität, Sex, Liebe, Eifersucht und Tod.
Ballett-Sternchen Nina (Natalie Portman) trachtet nach Höherem, unterstützt und angetrieben von der ehrgeizigen Mutter Erica (Barbara Hershey), die selber mal von einer Karriere als Tänzerin träumte, aber wegen der Schwangerschaft ihren Traum aufgab und auf die Tochter übertrug. Nina soll den Schwanensee-Schwan tanzen, aber nicht nur den guten, weißen, sondern auch den bösen, schwarzen. Der Ballettmeister ist ihr Svengali, Lily (Mila Kunis) ihre Konkurrentin, ihre Tür zum richtigen Leben. Dieses Leben mit Sex, Drugs and Rock ’n Roll. Eine Achterbahn der Emotionen nennt man das gern. Es ist eine außer Kontrolle geratene supersonic high speed Achterbahn mit Extras, von der man unversehens ins Nichts geschleudert wird. Nirvana? Hölle? Erfüllung?
Auf jeden Fall Gänsehaut. Natalie Portman soll fast ein Jahr lang für diese Rolle als Primaballerina trainiert haben. Es hat sich gelohnt. Sie ist mein Tipp für den Oscar 2011 als beste Hauptdarstellerin.

127 Hours.

Aron Ralston (James Franco) gibt es wirklich. Aron ist Extremsportler, Bergsteiger. Ein eigenwilliger, fröhlicher und freundlicher Bube. Und ein Einzelgänger. Er reagiert ungern bis nie auf die Nachrichten auf seinem Anrufbeantworter, und wenn er zu einer seiner Touren aufbricht, erzählt er niemandem, wohin und wie lang. So passierte es, dass er bei einer Klettertour in einen Felsspalt abrutscht. Gar nicht mal so tief, aber blöderweise rollt ein Felsbrocken hinterher und klemmt eine Hand zwischen Felswand und Brocken.
„Between a rock and a hard place“, wie die Redewendung geht. Das ist auch der Titel von Aron Ralstons Buch, auf dem der Film basiert.
Aron versucht mit allen Mitteln, sich aus dieser Lage zu befreien. Er hackt mit seinem Taschenmesser am Fels rum und versucht, ihn zu zerkleinern. Er baut mit Karabinern und Seil einen Flaschenzug. Nichts klappt. Nach fünf Tagen Dürre und Regengüssen, ziemlich entkräftet, beschließt er, seinen Arm zu amputieren. Auch das misslingt mit dem Taschenmesser, es ist nicht scharf genug, um den Knochen zu durchtrennen. Also sinnt er auf eine andere Methode.
Zartbesaiteten rate ich, ab der 62. Minute ca fünf Minuten lang Augen und Ohren zu schließen. Oder nur mal durch die vorgehaltenen Finger zu blinzeln.
Nicht nur bis dahin, sondern auch danach ist es ein saumäßig spannender Film, der stellenweise Schnappatmung bei mir verursachte.
James Franco, der mir bisher gänzlich unbekannt war, ist für einen Hauptdarsteller-Oscar nominiert, „127 Hours“ für Besten Film und für Bestes Drehbuch. Na gut, seh ich jetzt nicht so, die Konkurrenz ist sehr stark. Und ich hab ohnehin andere Favoriten. Aber Wunder geschehn. Abwarten.


The Fighter.
Hier habe ich einen dieser wüsten „Rocky“ Schlägerfilme erwartet. Harte Brocken mit dicken Muskeln und Hälsen prügeln auf einander ein, bis das Blut aus allen Kopföffnungen spritzt. Am besten auf das johlende Publikum. Aber nix dergleichen. Oder nur moderat.
„The Fighter“ ist nun tatsächlich ein Boxerfilm, der tragische Held ist ein Weltergewichtler, Micky Ward (Mark Wahlberg), der bislang von seinem älteren Halbbruder Dicky Eklund(Christian Bale) trainiert, und von seiner überdrehten Mutter (Melissa Leo) gemanaged wurde - mehr schlecht als recht. Und vor allem ziemlich erfolglos. Dicky ist ein dauerlabernder Crackhead, der selbst Boxer und mal gegen Sugar Ray Leonard erfolgreich war. Sagt er. Für Micky war Dicky von Jugend an der große Held. Dicky und die Mutter, Alice (nebst sieben Töchtern, alle Anfang 20, die gern Siebenlinge sein könnten) gängeln Micky. Micky ist unentschlossen, in sich gekehrt, und sein Familienleben ist keins. Als er Charlene (Amy Adams) kennenlernt, die in einer Bar arbeitet, ändert sich einiges. Mittlerweile muss Dicky mal wieder in den Knast, wo er erst mal auf dicke Hose macht, bis den Knackis eine kritische Doku über seine erfolglose Karriere gezeigt wird.
Nach all den erfolglosen Kämpfen mit ungeeigneten Gegnern bekommt Micky die Chance, in Las Vegas ernsthaft zu trainieren. Charlene redet ihm zu. Alice, die Mutter ist dagegen. Sie ist felsenfest überzeugt, dass ihre beiden Söhne allein durch ihr Management so „erfolgreich“ waren. Nachdem Dicky aus dem Gefängnis kommt, geht Micky jedoch zurück zu ihm, lässt sich vom Mutter/Sohn-Duo weitertrainieren. Ein Ende bahnt sich an, das zwar durchaus „happy“ aber aus meiner Sicht einfach lulli war.
Es fehlt der Knall, die Figur des Micky bleibt blass, uninspiriert. Da ist Christian Bale schon lebendiger, glaubhafter. Auch Amy Adams hat mich überzeugt. Aber allen voran die unvergleichliche Melissa Leo, der ich ganz doll die Daumen für den Oscar in einer weiblichen Nebenrolle drücke.

The King’s Speech.

Kann man einen Film, der von 1925 bis 1937 spielt, schon einen Kostümfilm nenne? Ganz bestimmt, wenn als Kulisse die königlichen Wohnsitze der britischen Royals im Spiel sind. Und eigentlich bin ich nicht so scharf auf Kostümfilme. Oder Historienschinken. Aber der hier ist ganz anders.
Es geht um den späteren König George VI, ehemals Albert „Bertie“ (Colin Firth), der zweitgeborene Sohn von George V, der 1936 starb.
Eigentlich sollte Edward die Regentschaft übernehmen, aber da stand Wallis Simpson, eine geschiedene Amerikanerin, im Weg.
Bertie also, war glücklich verheiratet mit Elizabeth (Helena Bonham Carter) und hatte zwei Töchter, Margaret und Elizabeth (die amtierende Königin von England). Und Bertie war ein Stotterer. Es war die Zeit, als das Radio anfing, eine große Rolle im Leben der Menschen zu spielen. Das Königshaus nutzte die neue Technik für Ansprachen ans Volk. Für einen Stotterer ein Desaster. Herkömmliche Maßnahmen, wie Demosthenes bei Sprechübungen Murmeln in den Mund zu packen, erweisen sich als nutzlos. Berties Frau findet einen gescheiterten australischen Schauspieler, Lionel Logue (Geoffrey Rush), der in England Sprachtherapie praktiziert. Bertie wird Patient/Schüler von Mr. Logue, dem Logopäden. Logue ist unzeremoniell und direkt, ihm ist es wurscht, wer sein Kunde ist. Er arbeitet nicht außer Haus und besteht darauf, dass Bertie in sein Haus kommt. Als er ihm dann noch vorschlägt, sich bei ihren Vornamen zu nennen, verschlägt es Bertie die ohnehin wackelige Sprache. Auch wenn es lange so aussieht, als sei Bertie ein hoffnungsloser Fall, lässt Lionel Logue nicht locker. Der unkonventionelle Lionel und der zurückhaltende Bertie, gefangen in seinem royalen Korsett, lernen sich zu akzeptieren und erfolgreich miteinander zu arbeiten.
Ein Höhepunkt in der Historie und ein persönlicher Erfolg für Bertie (und Logue auch) ist seine Rundfunkansprache an seine Untertanen, als er Hitler den Krieg erklärt.
Diese Rede, so dramatisch der Inhalt, langsam, leicht stockend vorgetragen, haben mir tatsächlich Tränen in die Augen getrieben. Meine absoluter Favorit für den Oscar für eine männliche Hauptrolle: Colin Firth. Für die männliche Nebenrolle: Geoffrey Rush.
Please, dear „Academy of Motion Picture Arts and Sciences“, pretty please!

True Grit

Ein eingeschworener John-Wayne-Fan war ich nie. Aber es gab immer einige Filme, die ich trotzdem mochte. In denen ich John Wayne mochte. Dazu gehörte auf jeden Fall „True Grit“, damals, anno pief, mit Kim Darby, die ich nicht so großartig fand. Rooster Cogburn war John Wayne, und John Wayne war Rooster Cogburn, der Revolverheld.
Die Coen Brothers haben den Stoff neu verfilmt mit Jeff Bridges, der jetzt grad im richtigen Alter für den Rooster Cogburn ist, und mit Hailee Steinfeld, der 14jährigen Newcomerin, als Mattie, die ich auf Anhieb besser fand als Kim Darby.
Auch wenn Jeff Bridges im richtigen Alter ist, hat er nicht das Wayne-sche Volumen. Wahrscheinlich ist das ungerecht, die beiden miteinander zu vergleichen, aber „True Grit“ ist ein Klassiker, da kommt das automatisch.
Nun mag ich ja Bridges, und er kommt hier nicht so egozentrisch heldisch und eitel wie Wayne daher, was mir gefällt. Er gibt den einäugigen alten Marshal, der sich widerwillig darauf einlässt, mit Mattie den Mörder ihres Vaters zu jagen. Sie ist in der Tradition des Wilden Westens aufgewachsen: an eye for an eye, a tooth for a tooth. Kein bisschen Wildwest-Romantik. Prärie, unwegsames Indianergebiet, einige Ballerei, kein Platz für Hygiene, alle riechen so wie man riecht, wenn man wochenlang in den gleichen Klamotten zu Pferde unterwegs ist. Ich konnte ihnen den strengen Geruch quasi ansehen. Und erschnuppern, aber das war vielleicht mein Sitznachbar.
Wie das meistens so ist in den Western, siegt die Gerechtigkeit, und dass Mattie, die nie geheiratet hatte, sich dann nach 25 Jahren auf die Suche nach Rooster macht, ist so etwas wie ein happy end.
Hier gibt’s eine Oscar Nominierung für Besten Film (muss nicht unbedingt), und eine für Jeff Bridges, Bester Hauptdarsteller. Nix dagegen, auch wenn ich grad andere bevorzuge.


Winter’s Bone

Ein schöner Film. Schön, ob das das richtige Wort ist? Die Landschaft, die Ozark Mountains, ist abgelegen, karg und herb, hier leben bitterarme Menschen. Die „ordinary folks“, für die jeder Tag ein Überlebenskampf ist.
Die 17-jährige Ree (Jennifer Lawrence) versorgt in so einem Bergdorf ihre beiden Geschwister, Sonny, 12, und Ashlee, 6. Ihre Mutter ist zwar da, spielt aber nicht mit. Sie ist entweder depressiv oder unter Drogen, die ihr Mann, Jessup, illegal im Gebüsch zusammengebraut hat. Meth. Deshalb wurde er auch angeklagt, hat aber die Gegend mit unbekanntem Ziel verlassen, nachdem er sein Haus als Kaution gegen sofortige U-Haft eingesetzt hat. Die Bank meldet sich bald, und Ree macht sich auf die Suche nach dem Ausreißer. Die Nachbarschaftshilfe funktioniert einigermaßen. Jeder ist arm, aber trotzdem bekommt Ree hier und da Unterstützung. Sie kann das Pferd bei einer Nachbarin unterstellen, bekommt Wild ab, das einer erlegt hat, darf ihr Feuerholz in einem elektrischen Hackgerät zerkleinern.
Fast alle, die mit ihrem Vater zu tun hatten, sind auf irgendeine Weise kriminell. Auch der knarzige Onkel Teardrop (John Hawkes), Jessups Bruder. Das macht die Suche nicht einfacher oder ungefährlicher. Ree wird dann auch mal zusammengeschlagen, aber sie lässt sich nicht einschüchtern. Sie ist keine Heldin, niemand ist hier ein Held, ein Draufgänger, oder in irgendeiner Weise überragend. Sie geht ihren Weg, tut, was zu tun ist. Wie alle anderen auch. Der Vater wird gefunden. Und das Ende, so wie es ist, geht okay. Richtig gut kann es nicht werden. Aber das Leben hat ja auch kein happy end.
John Hawkes erhielt eine Nominierung für Besten Nebendarsteller, Jennifer Lawrence für Beste Hauptdarstellerin. Aber beides nicht meine Favoriten. Und für Besten Film auch nicht. Obwohl ich da noch gar keinen klaren Favoriten hab. Ich muss noch Filme sehen und dann abwägen. Ein hartes Business.

Montag, 17. Januar 2011

68th Golden Globes

Und wer ist live dabei? Na icke.
16. Januar, 17h Ortszeit - Beverly Hilton.
Es wird schwierig, denn es wird kontrolliert. Wer sein mobile phone, sein "cell", offen in der Hand hält, hat schlechte Karten. "Shut your cell down" wird man mit gefletschten Zähne angeblafft. Freundlicher Kommandoton. Besonders bei den wertlosen Gästen (icke), die auf die hinteren Ränge kriechen. Aber ich habs gut getarnt und komme mit meinen Gastgebern problemlos durch die siebzehnfache security.
Versuche, unauffällig im kleinen, langärmeligen Schwarzen durchs Getümmel zu wuseln. Kein Schmuck außer meiner Camel-Armbanduhr, und nicht mehr make-up als ich zum Einkauf bei REWE tragen würde - also nicht viel mehr. Ich schreie "Niemand" aus jeder Pore.
Mit viel Glück gibts hier dann ab und zu ein live update. Wir sitzen soweit hinten, dass ich quasi mit meinem Fuß die Tür zu den rest rooms öffnen könnte. Ich sehe Ameisen auf der Bühne und muss mich auf die vielen Monitore verlassen, die formschön im Saal über unseren Häuptern schweben.
Der MC ist Ricky Gervais, der hierzulande nicht so bekannte Engländer, der die Amis schon allein durch seinen Cockney Accent entzückt.
Den ersten "Globe" für "Best Supporting Actor in a Motion Picture" kriegt Christan Bale für "The Fighter", den hab ich nicht gesehen. Michael Douglas ist nominiert, geht aber leer aus. Dafür sieht er wieder prächtig aus. Das ist doch auch was. "Hauptsache gesund" sagte Oma in solchen Fällen gern.
Dauernd is was, während ich twittere. Wenn ich überhaupt was mitkriegen will, muss ich weniger posten.
"Carlos" ist nominiert für "Best Mini-Series", nächster Daumendrück.
Bekommen tut ihn... Yipppiiieeeh "Carlos".
Inzwischen werde ich kritisch beäugt von einer sicher hochwertigen Gesellschaftsdame, deren Augen noch wilder funkeln als ihre Robe. Alles in ihrer Haltung mahnt stumm: "forbidden, forbidden, you nobody", da sind sie streng, die Amis, besonders wenns um so nobodys geht wie mich. Aber wer weiß, sie ist vielleicht Helen Mirrens Mom. Oder eine Kabelträgerin. Grip. Best boy... gibts eigentlich auch best girl als Berufsbild in Hollywood?
Gervais kündigt "Ashton Kutcher's Dad, Bruce Willis" an, der trägts mit ner Art gequälten Fassung. Er agiert hier nur als presenter für einen der Filme der Kategorie Comedy oder Musical. Da muss man abwarten, bis alle durch sind.
Grad im Vorbeigehn die "Precious"- Schauspielerin, Gabourey Sidibe, gesichtet. Sie lächelte mich freundlich an. Huch, kennt die mich? Oder kuckt sie nur kritisch auf meine Gerätschaften? Man weiß es nicht.
17.Januar, 10AM, local time.
Inzwischen hangovere ich mich dem high noon entgegen und versuche, mich an all das hullaballoo zu erinnern. Man weiß ja, Fame, Glitz and Glam... so elusive.
Als nächstes kam "Best supporting Actor" Series or Movie made for TV. Der ging ja an Chris Colfer. Foto in einem meiner Tweets. Einem von drei Gazillionen.
Hier eben ein Schnappschuss von meinem Blick zur Bühne. Wie Sie sehen, sehense nüscht.
Michelle Pfeiffer erkenn ich kaum wieder, aber der announcer sagt, sie isses. Wir werden ja alle nicht älter. Oder jünger. Oder schöner. Oder was? Da sag ich doch: lieber Botox als Biotin oder Dioxin, oder?
Überhaupt, was soll ich hier jetzt die Gewinner aufzählen, die stehen doch schon in allen Gazetten, die doch ein paar mehr Leser haben als mein Blog hier.
Deshalb nur noch ein paar highlights, oder auch low-lights. Ich will ja gern noch mal an die Luft. Heut abend schwebe ich schon wieder Richtung Old Country.
Also, der MC erwähnte noch "The Social Network", und dass Facebooks Zuckerberg jetzt seven billion dollars wert sei: "Heather Mills calls him 'the one that got away'". Insider, aber wizzzig.
Robert Downey machte anzügliche Witzchen als er die fünf nominierten Damen aufzählte: "I wish I could give it to all five of you". Annette Bening für "The kids are all right" hat den Globe bekommen, und zu Recht. Übrigens ist das mouth kissing unter den Mädels total in, da soll sich mal keiner so haben (Bening & Moore). Aber die Amis, die sind noch nicht ganz soweit. Öffentlich und so. Und im Bible Belt sowieso nicht. Da ist es ja gut, dass LA an gar keinem belt liegt. Bei Künstlers ist man da total locker.
Angelina Jolie-Pitt lag den ganzen Abend im rechten Arm des Gatten und demonstrierte "Love forever more". Gerührt. Oder geschüttelt?
Viel Unruhe im Saal. Dauernd lustwandeln die illustren Gäste und Gästinnen durchs Ambiente, aber da sind alle dran gewohnt.
Al Pacino gibt den Struppi, er hat nen Globe gewonnen, sagt aber "amazing prize". Zu alt für "awesome"? Er sagt ja auch "girlfriend", ganz altmodisch, und nicht "significant other". Struppi is old school. Old cool.
Ricky Gervais kündigte den "Foreign language film, a category that nobody cares about" an. Globe ging an Susanne Bier für "In a better world", der in Deutschland erst am 17.3. in die Kinos kommt. (Schnell Termin eingetragen, da geh ich rein).
Egal aus wie vielen Ersatzteilen sie nun besteht, I have a soft spot for Cher. Sie war leider nicht anwesend, körperteilmäßig, weil sie ihre Show in Vegas macht. Der hätte ich doch glatt mal "tach" gesagt. Oder "bang, bang". Und ihrer Zwillingsschwester im Geiste (aber weniger Ersatzteile), Jane Fonda, sah großartig aus. Um meine Ärztin zu zitieren: "Für ihr Alter."
Helena Bonham-Carter kuckte den ganzen Abend etwas verstört. Ob der Vogel in ihrem Haarnest sie pickte?
Beth Ditto war glaub ich auch da. Mein ich jedenfalls gesehen zu haben. Mal ganz kurz so.
Was diese January Jones (who dat?) als Kleid anhatte (rockwärts), hängt bei mir als Fliegenschranke in der Balkontür. Nicht im January, aber gern ab June.
Weint Tom Hanks? Grund genug hätte er, nix am Start dieses Jahr.
Da hängen sie nun. An den Lippen von Robert De Niro. Standing ovation. Lebenswerk. Bald wird er vor die großen Kameras jenseits vom Oz treten. Da kriegen sie ja immer schnell vorher noch nen netten Ehrenpreis. Oder er macht den Joopi. Alles ist möglich.
Eine von mehreren stehende Ovationen, übrigens. Seine und die für Michael Douglas bestimmt die am meisten gerechtfertigten.
Es war anstrengend, obwohl ich gar nix tun musste. Aber dieses hocken und warten! Die Herrschaft unten im Saal machten Pausen und schlenderten von Promi zu Promi, kiss-kiss hier, hug-hug da, ganz smaller small talk und freundliches Gewinke. Oben auf den dunkelen Plätzen saßen die Nobodys und Unknowns. Bei mir. Zum roten Teppich kamen wir gar nicht, aber man kann nicht alles haben.
Die Golden Globes rollen ihr Programm zackig ab und nach drei Stunden inklusive Pausen ist die Show vorbei. Fix und feddich war ich trotzdem. Und dann noch die Party hinterher. Man hats nicht leicht.
"The Tourist" vom Grafen von Donnersmarck ist leer ausgegangen. Macht nüscht. Dabei is alles = Nominiert is alles.
Jetzt geh ich dann mal kurz shoppen. Meine Visa-Card ist diesen Monat noch jungfräulich, das wird sich ändern. Heute, bevor ich das Land fluchtartig verlassen werde. Muss.
And next: The Oscars!
PS: Bilder ließen sich leider nicht hochladen. Vielleicht klappts, wenn ich wieder daheim bin.

Dienstag, 4. Januar 2011

Ein Ei ist weg.

"Drei"
Und wieder ein Film, in dem die drei Hauptfiguren nicht nach den althergebrachten Regeln aufgestellt sind. Das ist nun nicht neu, und Filme über Schwule und Lesben gibt’s ja einige. In „Drei“ ist die Konstellation aber neu, also, für mich wenigstens, obwohl ich in meiner Wahlverwandtschaft schon einige ungewöhnliche Formationen kenne. Ungewöhnlich, aber es klappt.
Hier also geht’s um Hanna (Sophie Rois) und Simon (Sebastian Schipper), die seit langem ein Paar sind, und hin und wieder von einem Kind sprechen, das sie haben möchten. Hannas biologische Uhr tickt laut, denn sie ist 38.
Sie sind Bildungsbürger der höheren Klasse. Unterhaltungen und Einblicke in ihre jeweiligen Berufe, denen ich nicht immer folgen kann. Spezialisten. Wie üblich, was mit Kunst und Medien. Hanna lernt Adam (Devid Striesow) kennen, als er einen hochwissenschaftlichen Vortrag über Zellgedöns hält. Dieser Abend endet in Adams Bett. Und nicht nur dieser.
Adam hat außer der Wissenschaft vielseitige Interessen, er singt im Chor, geht nicht nur als Zuschauer ins Fußballstadion, sondern spielt auch selbst in einem kleinen Vorortverein, macht einen Kampfsport, geht ins Kino und ins Theater. Er schwimmt im Hallenbad hin und her. Und genau da lernt er Simon kennen, der grad eine Hodenkrebs-OP hinter sich hat. Ein Ei ist weg. Als er das Adam erzählt, will der mal sehen: „Narbencheck“ sagt er forsch. Es folgt Männersex im Schwimmbad. Kurze Zeit später wieder der ebenfalls sehr intensiv genossene Heterosex mit Hanna in Adams karg dekoriertem Heim. Ordentlich viel Sex in beide Richtungen. Von einem Bett ins andere. Hanna ist in Adam verliebt. Simon ist bald auch in Adam verliebt. Adam ist in beide verliebt. Das sind Heimlichkeiten, wegen derer Hanna und Simon mal den einen oder anderen gemeinsamen Termin vermasseln.
Soweit, so gut. Das Schicksal, also die Verwirrungen und Verirrungen, ohne die solche Geschichten nicht auskommen, weil sie sonst so langweilig sind... wo war ich? Schicksal. Das nimmt seinen Lauf. Ziemlich hinten im Film das show down. Hier treffen die Drei zufällig in einer brisanten Situation aufeinander, und es fällt allen wie Schuppen von den Augen. Der mit dem, und der mit der. Und alle irgendwie mit allen.
Das ist sehr unterhaltsam, lustig und auch hübsch anzusehen. Ganz viel Liebe, ganz viel Sex, Krankheit und Tod. Glaubhafte Emotionen. Schön zusammengestellt, fließend, einleuchtend.
Wer mich kennt – ach nee, kennt mich ja keiner – also, für meinen Geschmack war es manchmal etwas zu abrupt geschnitten, und die multi-split-screen, sechs Monitore gleichzeitig, machten mir Schwierigkeiten bei der Konzentration auf die einzelnen Handlungsabläufe. Und dann war da auch viel Symbolismus, viel, viel Symbolismus. Nicht genug, dass es schrecklich gestört hätte, aber genug, um aufzufallen.
Irgendwas ist ja immer.
Besonders gut haben mir Sophie Rois und Devid Striesow gefallen. Die haben es da, wo es hätte dünn oder peinlich werden können, souverän nach Hause gefahren. Eine Freude, den beiden bei der Arbeit zuzusehen. Sebastian Schipper passte gut ins Dreier-Team. Und im Vorspann stand, dass Tom Tykwer das Buch geschrieben hat, soweit ich weiß, sein erstes Drehbuch. Ist gut geworden.
Geht hin, schaut euch „Drei“ an. Es lohnt sich.

Montag, 27. Dezember 2010

"The Kids are All Right"

„Wo komme ich her, wo gehe ich hin, und was mach ich, wenn ich da bin?“ Das ist die Frage, die der 15-jährige Laser (Josh Hutcherson) nicht nur sich, sondern auch seiner gerade 18 gewordenen Schwester Joni (Mia Wasikowska) stellt. Sie wissen zwar, dass sie beide von Samenspenden ein und desselben Mannes stammen, dessen Namen nur dem Kryo-Labor bekannt ist. Die Eltern wollen sie nicht fragen. Es ist ihnen peinlich, sie sind beide etwas verklemmt, aber besonders Laser drängt immer wieder. Er ist eben erst 15 und „darf nicht“ anrufen, aber Joni mit 18 darf und tut: ruft also eines Tages bei der Samenbank an, die ihr nach Rücksprache mit dem Spender den Namen preisgibt. Der Spender Paul (Mark Ruffalo) trifft sich mit den beiden, alles ein bisschen ungelenk aber doch sehr „cool“, wie Joni, Laser und Paul nicht müde werden, sich gegenseitig zu bestätigen. Und wie viel hast du damals dafür bekommen, für... na ja, dings...? fragt Laser. $60, sagt Paul. Laser ist enttäuscht, mehr nicht? Ach, beruhigt Paul, damals war das viel Geld, heute wären das $90. Und wie oft... ähem? "Two shots", zwei Schüsse, sagt Paul. Aha, ja ja, soso. Mehr Fragen haben die beiden erst mal nicht. Aber Paul interessiert sich für seine plötzlichen Kinder, und will wissen, was die beiden so treiben. Laser das Übliche, Base-, Basket- & Football, Joni lernt halt gern und geht nach den Sommerferien aufs College. Das erste Treffen bleibt zäh und verhalten, aber, ja ja, man kann das wiederholen, ja ja, alles cool, und „Laser, das isn richtig cooler Name“, sagt Paul, ja ja, das findet Laser auch, total cool.
Sie treffen sich wieder und irgendwann müssen die Eltern eingeweiht werden.
Die Eltern Nic (Annette Bening) und Jules (Juliette Moore) sind seit rund 20 Jahren zusammen, inzwischen ein verheiratetes Paar. Sie führen ernste und heitere Gespräche im Bett, haben sich lieb und ziehen sich zur Anregung gern mal hard core gay Pornos rein (was ich nicht so recht verstehe, weil ich immer dachte, lesbische Frauen stehen nicht so auf Penisse, aber man lernt nie aus). Sie hängen im unglamourösen Alltagslook auf dem Sofa ab, sehen fern, kabbeln sich, planen den Tag, und kümmern sich. Wie ein eingespieltes Ehepaar das eben so macht. Es geht um die Kinder. Laser treibt sich mit dem schlunzigen Clay rum, und die Eltern befürchten Schlimmes: entweder kiffen die Kids, ziehen sich Drogen rein oder sind schwul und „explorieren“. Jonis beste Freundin ist eine blöde Zicke und ein schlechter Einfluss.
Es geht zu wie in einem „ganz normalen“ Haushalt, und es ist ein normaler Haushalt. Eingespielt und mit den üblichen Ecken und Kanten. Außer, dass wenn die Kinder von den Eltern sprechen, sagen sie nicht „unsere Eltern“ sondern „our Moms“.
Jedenfalls lernen „our Moms“ den Spender-Paul kennen, der ein gut gehendes Restaurant hat und eine rassige Ab-und-zu-Freundin. Allerlei Dinge entwickeln und unentwickeln sich. Zwischen den „alright-kids“, den Moms und dem Spender-Paule. Irrungen und Wirrungen, die jeder kennt, kleine Seitensprünge, kleine Lüger- und Betrügereien. Ein bisschen überraschter, überraschender, verschwitzter und desparater Sex. Das Übliche halt.
Das alles sind die Zutaten für ein hollywoodeskes Beziehungsdrama. Aber einerseits die nicht dem Standard entsprechende Paarung der Eltern, und andererseits die flotten Dialoge machen ein Vergnügen aus dem Film. Clever, schlagfertig, amüsant.
Juliette Moore gefällt mir ja meistens. Annette Bening, ein wenig herb als alleinverdienende Ärztin, hat eine starke Szene am Abend des gemeinsamen Essens bei Paul, wo sie die schockierende Entdeckung macht, das Jules ein Heteroverhältnis mit Spender-Paul hat. Was zur erwarteten Krise führt. Deren Auflösung am Ende war okay so wie sie war. Sie hätte auch anders sein können, was sicher ein hocherhobener, traditionsgeladener Christliche-Werte-Finger in den Ärschen der Sesselfurzer gewesen wäre.
Ausnahmsweise mal ein Lob an die Untertitler! Ich hab die OmU-Version gesehen, und die waren nicht nur korrekt sondern auch Redewendungen wirklich treffend übertragen. Da kann ich nur hoffen, dass die Synchronisateure das 1 : 1 übernehmen.
Kein großes Kino, aber schönes Entertainment, eine gute Story heiter erzählt, sehr gute Darsteller, hin und wieder etwas nerviger Sound track.
Ich hab mich keine Minute gelangweilt, aber ich hab mich jede Minute gut amüsiert.

Mittwoch, 8. Dezember 2010

There's just no point hating someone you love.

Nowhere Boy
Da fang ich gleich mal mit einem „eigentlich“ an, nämlich dem, dass ich BioPics nicht so sehr mag. Und nun hab ich mich überrascht, denn ich mag diesen Film.
Vielleicht liegt es daran, dass hier eine Geschichte erzählt wird, die nicht die Karriere des Musikers John Lennon zum Thema hat, sondern einige Jahre seiner Jugend. Es hätte ein Lebensabschnitt von irgendeinem, unberühmt und unrühmlich lebenden Jungen sein können. Und es ist ein Film, bei dem ich mitten drin saß im bürgerlichen Wohnzimmer mit Leuten, wie ich sie auch kannte. Wie sie bestimmt jeder kennt.
Der junge John lebt bei Tante Mimi und Onkel George. Mimi ist fürsorglich aber sehr unterkühlt, was bei Kristin Scott Thomas irgendwie immer ganz von selbst kommt. Mit George versteht John sich prima, Mimi nervt ihn. Als Onkel George ganz plötzlich tot umfällt, ist John am Boden zerstört, er ist verletzlich, verunsichert. Mitten rein in diese Seelenpein erfährt er unvermittelt, dass seine Mutter Julia – Mimis Schwester - die ganzen Jahre nur ein paar Straßen weiter gewohnt hat. Da hat sie eine neuen Mann und zwei neue Kinder: Julia und Jackie, Johns Halbschwestern. John ist überwältigt von dieser Konstellation, aber auch bitter, weil die Mutter so nah wohnte und ihn offenbar nicht wollte, weggeben hatte, als er ein kleiner Junge war. Aber Mutter Julia freut sich wie Bolle. Endlich hat John zu ihr gefunden. Ihre Freude äußert sich auf eine merkwürdige und nicht unbedingt mütterlich scheinende Art. Sie kennen sich nicht und verhalten sich augenscheinlich mehr wie ein Liebespaar als wie Mutter und Sohn. Sie flirtet ihn an, bezirzt ihn, tanzt ihn an. Sie singt für ihn, aber sie bringt ihm auch das Banjospielen bei. Sie nimmt ihn mit zu Rock ’n Roll-Konzerten, er ist begeistert von der neuen Musik, und als er im Kino Elvis Presley sieht, weiß er, welche Musik er machen will. Er gründet eine kleine Band mit Schulkameraden, die ebenso wie er lieber die Schule schwänzen. Sie tingeln durch die angesagten Clubs ihrer Heimatstadt Liverpool. Paul McCartney war dazu gekommen, später George Harrison. In dieser Zeit kommt es zuhause zur Eskalation. Von seiner Mutter Julia will er endlich die Wahrheit über seinen Vater wissen, und warum er als Fünfjähriger bei Mimi landete, von der sie behauptet, sie habe ihr John „gestohlen“. In einer dramatischen Szene offenbaren sich die Hintergründe.
Das ist einer der berührenden Teile des Films. Die Aussprache der beiden Frauen, Johns Erkenntnis und die fast friedliche Akzeptanz. Befreit, öffnet sich Mimi und zeigt eine liebevolle, fürsorglich mütterliche Seite. Als hätte dieses show down ihre und auch Johns Zerrissenheit befriedet.
Der andere Moment, nein, es waren eigentlich drei, die in Sekundenschnelle aufeinander folgten und mir spontan die Tränen in die Augen trieben, waren Julias Unfall, die Trauerfeier, Johns kurzer Ausraster, und einer Umarmung von Paul.
Es ist kein Film über die frühen Jahre der Beatles. Paul und George scheinen quasi zufällig mit John zusammenzukommen. So, wie man sich eben zufällig in einer Schule trifft. So, wie hunderte von kleinen Bands entstehen. Es ist zufällig ein kurzer Ausschnitt über John Lennons Jugend. Eine turbulente und emotional geladene Zeit, die ihn geprägt hat. So, wie wir alle von bestimmten Perioden in unseren Leben geprägt werden. Es ist ein Film über einen pubertierenden Jungen: traurig, euphorisch, unglücklich, kämpferisch. Seine Erlebnisse und Stimmungen finden sich in seiner Musik und seinen Texten wieder. Aber wer weiß, hätte er eine glückliche, behütete Kindheit bei seiner Mutter gehabt, wäre er dann der Beatle John Lennon geworden?
Mir hat der Film gefallen. Ein kleines Familiendrama.
Ohne Melodrama.

Dienstag, 7. Dezember 2010

Vorgetäuschter Orgasmus

"Ich sehe den Mann deiner Träume" von Woody Allen
Woody und ich, wir waren wie die Tauben... ach nee, das ist ja n anderes Stück. Aber mal im Ernst: zwei New Yorker, die ihre Stadt lieben, da fühlt man sich doch verbunden. Ganz im Gegensatz zu mir kann er auch schöne Filme darüber drehen. Und wie sehr wünschte ich mir, dass er das auch weiterhin täte. Aber mich fragt ja keiner. Also unternimmt er alle paar Jahre Ausflüge ins europäische Ausland. Den Geschichten, die er erzählt, sollte das eigentlich nichts anhaben, denn sein Thema ist immer die Suche nach dem Glück, nach Liebe, nach Zufriedenheit. Da wäre es doch eigentlich egal, in welchem Kontinent sich die Geschichte entwickelt. Besonders, wo es diese Art von Irrungen und Entwirrungen überall auf der Welt gibt. Aber ich hab halt bei den europäischen Filmen immer den Eindruck, als spielten die Drehorte auch eine bedeutende Rolle. Oder ist es nur ein „Extra“, ein bisschen sightseeing und highlife für die Darsteller und die Crew? Egal. Außerdem bin ich schon so was von abgeschwiffen bevor ich überhaupt ein Wort zum Film gesagt hab. Dieser Film jedenfalls spielt in London, was allerdings hier keine Rolle spielt. Außer vielleicht für die Architektur.
Also ja, es ist schon ein echter Woody was die Thematik und die Ausführung angeht. Der Moderator stört mich etwas. Einer, der weiß, was Sache ist, warum es so ist, wie es ist, und warum die Protagonisten so handeln wie sie handeln. Hat son bisschen was von „Sendung mit der Maus.“
Es geht hier um Helena (Gemma Jones), die gerade von ihrem Mann (Anthony Hopkins – altert „schön“) nach 40 Ehejahren verlassen wurde. Er fühlt sich noch nicht alt genug für Helenas beschaulichen Lebensstil und hat ne langbeinige, blonde „Schauspielerin“ – the charming Charmaine (Lucy Punch) - aufgerissen. Die verwöhnt er nach Strich und Faden, wobei das Wort „Strich“ in dem Zusammenhang eine durchaus berechtigte Doppeldeutigkeit vermuten lässt. Er heiratet sie.
Helena ist etwas schrullig und nervt ihre Tochter Sally (Naomi Watts), die sie quasi aus Notwehr einer selbsternannten Wahrsagerin auf den Hals hetzt. Die prophezeit Helena einen „tall dark stranger“, und Helena schaut hoffnungsfroh in ihre Zukunft.
Sally hat selbst Probleme mit ihrem Mann Roy (Josh Brolin), der nach einem Erstlingserfolg seit Jahren an einem zweiten Buch rumdrukst. Ohne sichtbares Ergebnis. Sie leben von Helenas Geld, zoffen sich ohne Unterlass, und er gibt ihr die Schuld daran, dass er nicht mehr schreiben kann. Sie haben das Interesse aneinander verloren. Es ist ohne seherische Fähigkeiten vorhersehbar, dass Roy sich in eine schöne neue Nachbarin, Dia (Freida Pinto), verliebt, und Sally wirft mehr als ein Auge auf ihren neuen Boss Greg (Antonio Banderas). Hier gibt es noch einige Verwicklungen, die der armen Sally doch sehr zusetzen, und die nicht so richtig gut für sie enden.
Dass Dia sich gegen ihren Verlobten und für den windigen Roy entscheidet, überrascht wahrscheinlich nur mich. Charming Charmaine nimmt den verblendeten Alfie aus wie eine Weihnachtsgans. Während er die Minuten bis zum Eintritt der Wirkung seiner Viagra-Ration zählt, vergnügt sie sich mit feschen, jungen Kerls aus der Muckibude. Sally hat schnell eine Meinung von der Actrice: „The only acting she’s ever done is fake an orgasm“.
Von Anthony Hopkins und Naomi Watts bin ich gleichermaßen begeistert. Gemma Jones war großartig, die hatte ich lange nicht mehr gesehen, und Josh Brolin überraschte mich einmal mehr positiv.
Woodys Message: Die Suche nach dem Glück ist eine unendliche Geschichte. Auf dem Weg zum Glück begeht man einfach zu viele Dummheiten, um es je in seiner reinen Form zu erleben. Vielleicht wäre es keine schlechte Idee, mit dem glücklich zu sein, was man hat und nicht was man sich wünscht.
Obwohl der Film aus der Perspektive eines unbeteiligten Beobachters erzählt wird, habe ich mich gut unterhalten gefühlt. Ein witziges Melodram, das ein gefühlsmäßig verzwirbeltes Bildungsbürgertum in gedämpften Beigetönen mit sanfter Musik untermalt und bei dem eigentlich nur die verpeilte Helena am Ende gut wegkommt.

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Geschwätzigkeit ist aller Kriege Anfang

„Fair game“ heißt der Film, denn ich heut Nachmittag im Metropolis Köln in der Originalfassung gesehen habe. Fair game heißt Freiwild, und bevor Valerie Plame Wilson (Naomi Watts) und Joe Wilson (Sean Penn) wirklich dazu werden, vergeht mehr als eine Stunde.
Aber gut, so ein Plot muss sich aufbauen. Das braucht halt seine Zeit.
Val Plame, Ehefrau des früheren amerikanischen Botschafters in Niger, Joe Wilson, ist eine Undercover-Agentin der CIA. Sie hat ein properes Informanten-Netzwerk in Bagdad und gibt die Resultate ihrer Auskundschaftungen auftragsgemäß ins Hauptquartier weiter. Soweit läuft alles smooth. Zuhause hat sie zwei kleine Kinder, das Eheleben läuft ebenfalls smooth, bis auf die Tatsache, dass beide Eheleute überarbeitet sind und sich zu wenig sehen. Wie so was halt so ist.
Im Fernsehen tönt Baby Bush rum, dass Saddam Hussein dabei ist, Atombomben zu basteln, man habe Beweise und nieder mit dem Bastard, der unschuldige Amerikaner umbringen will. Man schickt also Joe Wilson nach Niger, um auszukundschaften, ob es stimmt, dass Saddam dort 500 Tonnen von dem dafür benötigten Uran eingekauft haben kann. Wilson mag das nicht glauben, er kennt das Land aus seiner Botschafterzeit, fliegt hin und stellt eindeutig fest: Kein Stück! Schon rein logistisch unmöglich: Abbau und Transport – no way. Also zurück marsch-marsch, Bericht erstatten: nix is, kein Uran für Saddam. Aber der Bericht wird unter den Tisch manipuliert, und wenn Bush jr. sich mal was in den Kopf gesetzt hatte, kriegte man das auch mit vernünftigen Argumenten nicht mehr raus. Also, wird Bagdad gebombt.
Inzwischen arbeitet Valerie daran, einige ihrer irakischen Informanten und Verwandte einer befreundeten irakischen Ärztin aus Bagdad rauszuholen. Das Resultat ist bekannt, es klappt nicht, der Plan wird verraten und viele, viele Iraker, die vor Saddam fliehen wollen, sterben. Irgendjemand hat durchsickern lassen, dass sie eine Undercover-Agentin der CIA ist, und was noch schlimmer ist, es wird der Presse zugesteckt. In der ganzen Welt kann man es lesen. Ihre Deckung ist aufgeflogen. Dazu kommt noch der Vorwurf, sie hätte dahinter gesteckt, ihren Mann nach Niger zu schicken. Ab sofort sind sie „fair game“, Freiwild. Der Spießroutenlauf beginnt.
Nun beruhen diese Vorgänge ja auf Tatsachen. Valerie Plame gibt es wirklich, und sie und ihr Mann Joe Wilson sind ein Teil dieses traurigen Abschnitts der amerikanischen Historie. Daran erinnert mich nun der Film immer wieder, indem unentwegt TV-O-Töne eingespielt werden. Ganz kurz nur, vielleicht 30 Sekunden, und schwupps, zurück zur Filmstory. Auch die wird mir mit gefühlten 500 Vidclips mit Unterhaltungsfetzen, Kriegsbildern, Bombenprasseln um die Ohren gehauen. Eine Art cinematographisches Daumenkino (die oft schlunzigen und fahrigen Einstellungen sind vermutlich beabsichtigt, um eine Authentizität der Berichterstattung herzustellen). Dass mich das störte, mag auch daran liegen, dass ich mit all den blitzartig eingeblendeten Herren Regierenden und Intrigierenden namentlich nicht so vertraut bin, und vor allem auch von den Mechanismen der politischen Puzzlelei keinen Dunst hab, also der amerikanischen. Bin ja schließlich schon mit den deutschen Kasperles überfordert.
Alles in Allem ist das kein Film, den ich guten Gewissens empfehlen möchte, und ich vermute auch mal, dass er hier im Lande nicht so der Renner wird. Es sei denn, es finden sich noch mehr solche wie ich, die trotz mancher Bedenken einfach Naomi Watts und Sean Penn gerne bei der Arbeit zusehen. Und die verrichten sie wirklich famos. Watts spielt die Agentin schnörkellos, effizient und glaubhaft. Penn packt mehr Rage in seine Rolle als aufgebrachter Botschafter, der zusehen muss, wie ein unfähiger Präsident einen Krieg anzettelt und sorglose Bürokraten seine Karriere und die seiner Frau ruinieren. Und dass diese Situation der Ehe nicht gut tut, liegt auch auf der Hand.
Nun ist der Ausbruch des Irak-Kriegs gute acht Jahre her. Die Aufdeckung dieser Intrige ist auch nicht neu. Gut, sage ich, dass alles ans Tageslicht kam. Das meiste davon ist tatsächlich so geschehen, einiges ist Fiktion. Unterm Strich kann mir das ja egal sein. Aktuell erinnert mich das an den Hype, der grad durch Wikileaks ins Rollen gebracht wurde. Da nicken wir alle weise mit unseren Häuptern und hatten es doch schon immer gewusst, dass alle Politiker verlogen, verblödet und korrupt sind, und dass auch in diesen Kreisen geklatscht und getratscht und gelästert wird wie in den guten alten Kaffeekränzchen.
Nichts anderes als das lose Mundwerk eines Regierungsbeamten hat letztendlich diese Tragödie erst möglich gemacht. Und sicher viele andere davor und danach.
Wär vielleicht gar nicht so schlecht, den Slogan des 2. Weltkriegs wieder auszugraben:
„Loose lips sink ships.“
PS: Drei bis vier goldene Sterne für Watts und Penn.